Kanada Rundreise: Rocky Mountaineer Reisebericht Kanada

Mit dem Rocky Mountaineer unterwegs durch die kanadischen Rocky Mountains – ein Reisebericht

Unser Kollege und Reiseexperte hat eine Bahnreise mit dem Rocky Mountaineer durch Kanada gemacht und möchte euch in diesem Reisebericht ein paar Eindrücke von seinem Erlebnis geben:

Der Rocky Mountaineer ist das größte private Unternehmen für Zugreisen in Nordamerika und berühmt für seine Bahnreisen und Rundreisen in Kanada und durch die kanadischen Rocky Mountains. 1990 erfolgte die Jungfernfahrt und seitdem ist das Unternehmen stetig weiter gewachsen. Heute fahren die 75 Lokomotiven und Waggons auf fünf verschiedenen Strecken durch die schönsten Ecken Kanadas und bieten den Reisenden atemberaubende Einblicke in die wunderschöne Natur. Während der Fahrt kann man dann zum Beispiel bei leckerem Essen den Ausblick aus den großen Panoramafenstern genießen. Es stehen verschiedene Routen zur auswahl: so kann man zum Beispiel eine Kanada Rundreise von Vancouver durch die kanadischen Rockies machen oder bei der „Coastal Passage“ von Seattle bis in die kanadischen Rockies fahren.

Hier könnt ihr schonmal einen ersten Eindruck bekommen:


Ich habe die berühmte „First Passage to the West“ genommen – diese startet in Vancouver und verläuft mit diversen Zwischenstopps über Kamloops und Lake Louise bis nach Banff.

Vancouver Station

Ein Auftakt nach Maß. Der Rocky Mountaineer wurde bereits mehrmals mit dem renommierten World Travel Award als „weltweit führendes Bahnreiseerlebnis“ ausgezeichnet. Jeder Besucher, der die Türen zum betriebseigenen Bahnhof aufstößt, weiß in Sekunden weshalb. Beim Rocky Mountaineer sind wirklich Profis am Werk: das Gebäude ist sehr geschmackvoll eingerichtet und die unglaublichen freundlichen Team-Member heißen die Gäste auf äußerst charmante Weise willkommen.

New Westminster

Wir nähern uns bereits Sxwoyimelth, dem ehemaligen kulturelle Zentrum der Qw`ontl`en-Indianer. Jahr für Jahr paddelten Tausende von Eingeborenen aus der Küstenregion zum Lachsfang weiter flussaufwärts an diesem Landstrich vorbei. In den 1860er Jahren wurde New Westminster amtlich als Ort eingetragen und gilt somit als eine der ersten kanadischen Siedlungen westlich der Großen Seen. Das klingt interessant, doch bei mir steht jetzt erst mal ausgiebig Frühstücken auf dem Programm.

Fraser River Swing Bridge

Während wir uns der ersten großen Brücke nähern, mustere ich die Mitreisenden im Panoramawagen: vorwiegend best-agers, weitgereist und abenteuerlustig, dazu ein paar Bahn-Enthusiasten, Kanadier, Amerikaner, Australier und ein englisches Paar auf Honeymoon. Die Brücke, die von New Westminster bis in die Stadt Surrey reicht, kennzeichnet auch den Übergang von den Gleisen der Eisenbahngesellschaft Burlington Santa Fe zu den Gleisen der Canadian National Railway.

Fort Langley – Fraser Valley

Über 12.000 Jahre lang beherbergte dieses Gebiet die Kultur der Küstenindianer. Fort Langley wurde von der Hudson`s Bay Company im Jahre 1827 als Depot für die Lagerung von Fellen und Ausrüstungsgegenständen errichtet. Die Route führt durch das Fraser Valley, wo Beeren und anderes Obst, Feldgemüse, Blumenzwiebeln, Hopfen, Jungpflanzen, Weihnachtsbäume und andere Feldkulturen angebaut werden. Beim Blick durch die Panoramafenster fühlt man sich fast an Bayern erinnert.

Mount Baker – Mission

Wir passieren die Ausläufer des 64 km südlich im US Bundesstaat Washington gelegenen Mount Baker. Der Berg ist Teil der Vulkankette, die sich entlang der Pazifikküste bis nach Kalifornien erstreckt. Pünktlich zum Lunch erreichen wir Mission, benannt nach der ersten und größten First Nations-Internatsschule in British Columbia, die 1861 von römisch-katholischen Missionaren gegründet wurde. Mission war zu allen Zeiten ein beliebter Durchgangsort für Trapper und Siedler. Guten Appetit!

Chilliwack – Hope

Betty vom Service stammt von hier, sie doziert: mit einer Einwohnerzahl von 48.000 ist Chilliwack Wirtschaftszentrum für die umliegenden Milch- und Gemüsefarmen. Während der Goldgräberzeit war Chilliwack eine viel genutzte Anlegestelle für Dampfschiffe. Das im Gebirgszug Coast Mountains am Eingang zum Fraser Valley gelegene Städtchen Hope wird zu drei Seiten von Bergen geschützt. Der Ort befindet sich an der Stelle, an der Fraser River und Coquihalla River zusammenfließen.

Hell´s Gate

Die Raucher unter den Reisenden werden langsam nervös. Der Zug verkehrt nonstop. Wo soll er auch halten; gerade nähern wir uns Hell`s Gate, der engsten Stelle des Fraser River. Über 200 Millionen Gallonen Wasser schießen durch diesen nur 33,5 Meter engen Bereich der Schlucht. Die Höhe des Fraser River kann an dieser Stelle je nach Jahreszeit um bis zu 24 Meter variieren. Diese Stelle wurde 1808 von Simon Fraser benannt, da sie ihn an das Tor der Hölle erinnerte.

Skuzzy Creek

Benannt nach dem 39 Meter langen Dampfschiff „Skuzzy“, mit dem Material zum Bau der Eisenbahn flussaufwärts durch das Hell`s Gate befördert wurde – ein nahezu unmögliches Unterfangen für jede Art von Schiff. Nach vielen erfolglosen Versuchen wurde ein komplexes System entwickelt, bei dem Ringbolzen an der Seiten der Schlucht angebracht wurden, durch die ein dickes Drahtseil führte. Den 150 chinesischen Arbeitern war es so möglich, das Schiff durch die Stromschnellen des Hell`s Gate zu schleppen.

Cisco Crossing – Lytton

Das Wort „Cisco“, das von dem indianischen Wort „siska“ abstammt, bedeutet „unberechenbar“ und bezieht sich auf die Fluten unter der Brücke. Diese 247 Meter lange, orangefarbene Brücke ist die längste Einfeldbrücke der Canada Rail. Der am Zusammenfluss des klaren Thompson mit dem schlammigen Fraser River gelegene Ort Lytton wurde 1858 nach Sir Edward George Earle Bulger – Lytton, dem britischen Staatssekretär der damaligen Kolonie British Columbia benannt.

Avalanche Alley

Die Route windet sich an Geröllschutzdächern und Lawinenzäunen vorbei, welche die Gleise vor den darüber liegenden Erdmassen schützen. Unterwegs sehen wir immer wieder alte Telegrafenmasten. Eisenbahnbedienstete lebten in kleinen Hütten neben dem Gleis und fingen in Morsezeichen übermittelte Nachrichten ab. Diese Nachrichten wurden an eine hölzerne Stange gehängt. Der Zug kam dann langsam vorbeigefahren, und der Zugführer konnte sich aus dem Fenster lehnen und den Zettel abnehmen.

Ashcroft

Auch auf den nächsten Kilometern sind die Ufer des Thompson River ziemlich steil und eng, so dass das Wasser hier außerordentlich turbulent ist. Die Stromschnellen, sogenannte Rapids ziehen Floßfahrer magisch an. Ashcroft gehört mit einem jährlichen Niederschlag von weniger als 25,4 cm zu den trockensten Gebieten in Kanada, man hat sich hier auf Viehzucht spezialisiert. Der größte Arbeitgeber der Gegend ist die Highland Valley Copper Mine, die etwa 4% der Weltkupferproduktion stemmt.

Savona

Der Thompson River wird in diesem trockenen Gebiet stetig breiter und verwandelt sich schließlich in den wunderschönen 40 Kilometer langen Kamloops Lake. Der Ort Savona wurde nach Francois Saveneux benannt, der 1858 einen Kabelfahrdienst über den See betrieb. Wir sind jetzt doch schon einige Stunden unterwegs, die unglaubliche Vielfalt der vor den Panoramafenstern vorbeiziehenden Landschaften sorgt jedoch dafür, dass es an Bord des Rocky Mountaineers wirklich nie langweilig wird.

Tranquille – Kamloops

In der tief stehenden Sonne des späten Nachmittags gehen wir unsere letzte Etappe für den ereignisreichen Tag an. Die Landschaft ist nicht mehr so schroff, die ersten Ausläufer von Kamloops zeichnen sich bereits am Horizont ab. Der von dem Wort „Kahmloops“ der Shuswap-Indianer abgeleitete Name des Ortes, der „Aufeinandertreffendes Wasser“ bedeutet, bezieht sich auf den Zusammenfluss von North Thompson und South Thompson River. Kamloops ist auch unser Stopp für die Nacht.

Kamloops Overnight

Wer schon mal mit dem Schiff unterwegs war kennt das komische Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Es schwankt einfach weiter. Dementsprechend fahrig steuere ich durch den abendlichen Ort. In zentraler Lage zwischen Küstengebirge und Rocky Mountains hat sich das Provinznest ordentlich rausgeputzt. Kamloops ist eine Wiege des kanadischen Eishockeys, aber auch gastronomisch und städtebaulich hat sich seit meinem letzten Besuch vor 10 Jahren allerhand getan.

Der große Zugüberfall

Im ersten Sonnenlicht stehen die Raucher unter uns verschworen im Schatten der Panoramawagen, während die ersten Gäste den Zug boarden. Die Zeitreise auf den Spuren der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie geht weiter. Heute werden wir die Rocky Mountains sehen. Die nächste Anekdote: hier am Ufer des South Thompson River führten Billy Miner und seine Bande ihren letzten, eher glücklosen Zugüberfall durch. Sie erbeuteten lediglich 15 Dollar und ein paar Leberpillen!

Hoodoos

Überall verstreut in der Gegend sieht man merkwürdige Stein- und Tonformationen, die sogenannten Hoodoos. Diese Erdpfeiler bildeten sich nach Ende der letzten Eiszeit. Als das Gletschereis zurückwich, lagerten sich Spinnstoffe am Boden des Gletschersees ab. Als der See dann zurückwich, begann die Erosion. Gute 10.000 Jahre später sind die Erosionsterrassen und säulenförmige Erdpfeiler alles, was noch von dem ehemaligen Seeboden übrig geblieben ist. Zeit, im Reiseführer zu schmökern.

Salmon Arm

In dieser am südlichen Zipfel des „Lachsarms“ des Shushwap Lake gelegenen Stadt leben 17.150 Einwohnern. Der Name bezieht sich auf die Zeiten, als es so viele laichende Lachse gab, dass die Siedler sie mit der Mistgabel aus dem Wasser holen und damit ihre Felder zu düngen. Das Naturschutzzgebiet Salon Bay Nature Enhancement Reserve ist der Lebensraum von über 150 Vogelarten. Immer wieder sieht man von der offenen Zugterrasse aus in den Bäumen der Sumpfgebiete Nistkästen.

Sicamous

Der Ort Sicamous, dessen Name in der indianischen Sprache „In der Mitte“ bedeutet, liegt zwischen den Seen Shushwap Lake und Mara Lake. Dieses Gebiet wird oft als das „Hausboot-Zentrum“ Kanadas bezeichnet. Hier befinden sich über 300 Hausboote, die während der Sommermonate von Abenteuerlustigen angemietet werden, welche die binnenländischen Wasserwege erforschen möchten. Jetzt – im Spätherbst – gehört das wunderschöne Gebiet den Wanderern.

Craigallechie

Die Stimmung an Bord wird immer besser. Die Themen: Reisen, Kulinarik und Sport: Baseball, Eishockey und – der FC Bayern! Doch die unermüdlichen Guides legen nach: am 7. November 1885 trieb Donald Smith, Gründungsmitglied der CPR, hier den letzten Nagel der Gleisstrecke der CPR in den Boden. Ein Erdhügel kennzeichnet heute diese Stelle, an der dieses historische Ereignis stattfand, dem es zu verdanken ist, dass Kanada von Küste zu Küste durch eine Eisenbahnlinie verbunden ist.

Three Valley Gap Resort

Das Three Valley Gap Resort ist ein Hotel mit 200 Zimmern, das eine historische Geisterstadt, eine Oldtimersammlung und einen Ringlokschuppen beheimatet, der mit eisenbahntechnischen Ausrüstungsgegenständen gefüllt ist. Das Familienunternehmen zeigt, dass der unbändige Pioniergeist der kanadischen Siedler sich bis in unsere Tage erhalten hat. An Bord werden die ersten Gedichte verlesen, der typische Mountaineer Gast ist nicht nur weitgereist, sondern auch kultiviert.

Revelstoke

Das Städtchen Revelstoke, im Columbia Valley in der Nähe des Mount Revelstoke National Park gelegen, wurde nach Edward Charles Baring, dem ersten Baron von Revelstoke, benannt, einem Engländer, dessen Bank in den 1880er Jahren die junge Zuggesellschaft finanziell unterstützte und damit das Projekt am Leben erhielt. Revelstoke wurde 1889 amtlich als Stadt eingetragen und zählt heute etwa 8.300 Einwohner. Zeit für ein gepflegtes Mittagessen, welches direkt im Wagen zubereitet wird.

Illecillewaet River

Der Illecillewaet River, dessen Name in der Sprache der Indianer „laufen“ oder „schnell“ bedeutet, überqueren wir im Verlauf unserer Reise zehn mal. Diese Gebiet ist wegen seiner schweren Schneefälle und häufigen Schneelawinen bekannt. Wir passieren zahlreiche Tunnel und Schneeschutzdächer, die zum Schutz entlang dieser 104 Kilometer langen Flussstrecke gebaut wurden. Großartige Landschaften, wir nähern uns dem Postkartenidyll der legendären Rocky Mountains.

Connaught Tunnel – Stoney Creek Bridge

Im Jahre 1913 wurde mit dem Bau des 8 km langen Tunnels begonnen, um den schweren Schneefällen im Rogers-Pass ausweichen. Bei seiner Fertigstellung im Jahre 1916 waren die Baukosten auf 9,2 Millionen Dollar geklettert, für damalige Verhältnisse eine schwindelerregende Summe. Wir passieren die östlichen Hänge des Mount Tupper über die Stoney Creek Bridge, die sich fast 100 m über dem Gebirgsbach entlangzieht. Wir sind nun im äußersten Westen British Columbias.

Beavermouth – Columbia River

Hier mündet der Beaver River in den Columbia River, der sich über eine Distanz von 2012 Kilometern vom Rocky Mountains Graben zum Pazifischen Ozean in Oregon windet. Dabei hat er 14 Dämme zu überwinden. Die First Nations Völker waren bereits über 10.000 Jahre in diesem atemberaubenden Gebiet beheimatet, bevor Ihnen der Lebensraum von Forschern, Pelzhändlern und Goldsuchern streitig gemacht wurde. Ohne eine starke Verbundenheit zum Land wäre dies niemals möglich gewesen.

Golden – Kicking Horse River

Mit reichlich Speed scheppern wir durch Golden, dem ehemaligen Bau-Camp der Eisenbahngesellschaft CPR. In Konkurrenz zum Bau-Camp Silver City wurde das Camp in Golden City umbenannt. Wir folgen dem Kicking Horse River. Der Canyon wurde von James Hector, einem Geologen der berühmten englischen Palliser-Expedition entdeckt, der hier von einem Maultier getreten bewusstlos zurück blieb. 45 Jahre später konnte er die Stelle bequem von einem Speisewagen aus begutachten.

Continental Divide – Lake Louise

Wir sind im Herz der Rocky Mountains angelangt. Die kontinentale Wasserscheide trennt den Yoho Park in BC vom Banff Springs Park in Alberta. Lake Louise,das ehemalige Laggan bekam seinen Namen 1884 nach Prinzessin Louise Caroline Alberta, Tochter von Königin Victoria und Frau des damaligen Zentralgouverneurs von Kanada. Den weltbekannten smaragdgrünen See kann man vom Zug leider nicht sehen, doch ragen immer wieder die majestätische Berggipfel aus dem Baumkronen.

Banff

Während wir auf dem Weg nach Banff großartige Panoramen passieren, wird es Zeit für ein Resümee. Der Rocky Mountaineer ist nicht nur für Zugfreunde ein großes Erlebnis. Das langsame „Erfahren“ von stetig wechselnden, völlig unterschiedlichen Landschaftsformationen scheint mir in Verbindung mit der komfortablen Ausstattung, der lobenswerten Küche und einem unglaublich kompetenten und superfreundlichen Team auch in der Luxusklasse konkurrierender Produkte unerreicht. Probieren Sie es aus!

Und, habt ihr Lust bekommen? Weitere Infos gibt’s hier und Angebote zum Rocky Mountaineer gibt’s unter unserer Service-Hotline: tägl. 8-23 Uhr +49 89 710451498 und natürlich im Reisebüro!

Und zum Abschluss – hier noch ein Video von der Rocky Mountaineer „First Passage to the West“:

 

►► Mehr zu Kanada gibt’s hier.

►► Kanada-Reisen: Hier geht’s zu den Angeboten.

1 Kommentar

  1. Pingback: Mit Dem Rocky Mountaineer Durch Westkanada | FTI Reiseblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte die Buchstaben des captcha Bildes im Eingabefeld eintippen

Bitte gib die drei Buchstaben in die Box ein