Sonnenschutz: Cremen oder Bekleiden?

Klar, Sonnenschutz ist wichtig – gerade für Kinder. Das wissen heute die meisten Eltern. Doch was schützt am zuverlässigsten: Kleidung oder Sonnencreme? Und muss es spezielle UV-Schutzkleidung sein oder reicht auch das ordinäre T-Shirt?

Trubelige Nachmittage auf dem Spielplatz oder entspannte Tage im Garten, ein Besuch im Biergarten oder die lang ersehnte Reise ans Meer –  im Sommer zieht es einen nach draußen, besonders mit Kindern. Die können sich im Freien am besten austoben und scheinen an den langen Sonnentagen nicht müde zu werden. Doch Achtung: Gerade jetzt ist auch die UV-Strahlung am intensivsten. Vor allem bei Kindern ist besondere Vorsicht geboten. Denn ihre Haut ist um ein Vielfaches empfindlicher als die von Erwachsenen, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Speziell Kinder müssen daher vor UV-Strahlung geschützt werden.

Mittagssonne meiden, lautet eine der wichtigsten Regeln, um späteren Hautschäden vorzubeugen. Zwischen 11 und 15 Uhr sollten Kinder an sonnigen Sommertagen nicht im Freien spielen, raten Experten. Besonders empfindlich sind Säuglinge, sie sollten im ersten Lebensjahr überhaupt keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. „Für Babys ist die Sonne tabu!“, betont die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Noch bis zum Vorschulalter sollten Kinder pralle Sonne möglichst meiden, empfiehlt die BZgA. Für alle Kinder gilt: Schattige Plätze sind ideal zum Spielen. Doch was tun, wenn die Tochter im Freibad gar nicht mehr von der Rutsche zu bekommen ist oder der Sohn am Strand emsig seine Burgen baut – natürlich mitten in der Sonne?

Kinder mit Bekleidung am Meer

Kleidung ist der beste Schutz

Dann heißt es: Her mit Kappe oder Kopftuch, Schwimmanzug oder T-Shirt! Denn Dermatologen sind sich einig: Kleidung ist der beste UV-Schutz. Besonders wirksam sind speziell gefertigte Textilien nach UV-Standard 801 mit sehr dicht gewebten Fasern. Denn dabei werden, was Abnutzung, Nässe oder Sonneneinstrahlung angeht, die ungünstigsten Bedingungen angenommen. „Beim Schwimmen ist das sehr zu empfehlen“, sagt  Forscherin Dr. Beate Volkmer vom Dermatologischen Zentrum Buxtehude. Der Nachteil ist vor allem ein finanzieller: Diese Kleidung ist teuer. 30 Euro muss man im Allgemeinen mindestens für einen speziellen UV-Schwimmanzug hinlegen, es geht aber auch deutlich teurer. Die ADP empfiehlt, beim Kauf spezieller UV-Schutzkleidung darauf zu achten, dass der Ultraviolett Protection Factor (UPF) bei mindestens 30 liegt. Der UPF gibt an, wie lange die Eigenschutzzeit der Haut verlängert wird, bevor es zum Sonnenbrand kommt, und ist darin dem Lichtschutzfaktor (LSF) bei der Sonnencreme vergleichbar. Die Eigenschutzzeit der Haut von Kindern liegt bei zehn Minuten.

Doch es geht auch ohne teure Spezialkleidung. „Es reichen normale Kleider, die etwas dichter gewebt sind“, sagt Biologin Volkmer. Bei einer dunkleren, weiteren Textilie könne ein UPF von 35 erreicht werden. Wenig ratsam sind hingegen helle, körpernahe Stücke. Sie weisen nur einen UPF von etwa fünf auf. Nässe mindert zudem die UV-Schutzwirkung.

Reichlich Sonnencreme auftragen

Dann kommt die Sonnencreme zum Einsatz, und zwar überall dort, wo der Körper nicht mit Kleidung bedeckt ist. Als alleinigen Schutz empfehlen die Experten den Griff zur Tube nicht. Warum? „Bei Sonnencreme kann man viel falsch machen, weil man sie nicht so benutzt, wie sie getestet wurde“, stellt Volkmer fest. Das beträfe allein schon die Menge an Sonnenschutzmittel, die aufgetragen werden müsste, um tatsächlich den auf den Flaschen angegebenen Lichtschutzfaktor zu erreichen. Ein großer Mann müsste demnach 30 bis 40 Milliliter verwenden, sagt die Wissenschaftlerin, das sei „ein Drittel der Flasche“. Das mache kaum jemand.

Am Strand: Sonnencreme auftragen

Hinzu kommt, dass Wasser und Sand die Sonnencreme abwaschen bzw. abreiben. Daher soll man flüssigen Sonnenschutz immer reichlich auftragen und mehrfach nachcremen. In unseren Breiten sollten Kinder mit einem Sonnenschutzmittel mit mindestens LSF 20 geschützt sein, am Meer, in den Bergen oder in größerer Nähe zum Äquator mit einer Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Denn mittags auf Gran Canaria ist ein Mensch zum Beispiel „fast der doppelten UV-Strahlung ausgesetzt wie zur selben Zeit in München“, schreibt die ADP.

Um auf Nummer sicher zu gehen, rät Beate Volkmer dazu, den angegebenen Lichtschutzfaktor allenfalls zu 60 Prozent auszuschöpfen. Vor allem sollte die Verwendung von Sonnencreme Eltern nicht dazu verleiten, leichtfertig zu sein: Auch mit Sonnenschutzmittel sollten Kinder – ebenso wie Erwachsene – nicht länger in der Sonne bleiben als ohne. Die Creme sollte nur dazu beitragen, einen notwendigen Aufenthalt in der Sonne unbeschadet zu überstehen. Hinzu kommt: Ob UPF oder LSF, die Angaben beziehen sich immer nur auf einen Durchschnittswert. Und Durchschnitt, das ist Ihr Kind doch sicher nicht – auch nicht beim Sonnenschutz.

►► Sommerurlaub: Hier geht’s zu den Angeboten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte die Buchstaben des captcha Bildes im Eingabefeld eintippen

Bitte gib die fünf Buchstaben in die Box ein