Zu Besuch beim letzten Schwammtaucher der Türkei

Das Schwammtauchen hat in der Türkei eine lange Tradition, die 2005 allerdings offiziell ihr Ende gefunden hat. Das Tauchen nach Schwämmen wurde verboten und der Beruf und auch das Wissen stirbt langsam aus. Ein Mann, der fast sein ganzes Leben dem Tauchen gewidmet hat, ist Mehmet Yavas– der letzte Schwammtaucher der Türkei. Wir haben ihn im Mai besucht, um ein wenig über vergangene Zeiten und die Kunst des Schwammtauchens zu plaudern.


Mehmet Yavas, auch unter dem Namen Aksona bekannt, ist der letzte Schwammtaucher der Türkei. Er ist nicht nur in Bodrum, sondern auch vielen weiteren Städten eine kleine Legende. Geboren und aufgewachsen in Bodrum, ist er mehr oder weniger zufällig zum Tauchen gekommen. Weder sein Vater noch andere Verwandte waren zuvor in diesem Beruf tätig. Er ist nicht nur der letzte lebende Schwammtaucher des Landes, sondern hat auch zahlreiche Auszeichnungen als Taucher erhalten. Sein Leben und vor allem die Leidenschaft zum Schwammtaucher hat er auch in einem Buch festgehalten, das momentan in mehrere Sprachen übersetzt werden soll. 


Schwammtaucher Bodrum

Mehmet lud uns auf sein Schiff ein und servierte uns Tee mit reichlich Gebäck. Er hat uns wahnsinnig herzlich und gastfreundlich empfangen, auch seine Frau und Söhne schauten auf einen Tee vorbei. Wir sind also zusammen um den Tisch gesessen, Mehmet mit einer Pfeife im Mund, und fingen bei den Basics an: Was ist Schammtauchen überhaupt?

Bis 2005 verdienten viele Fischer ihr Geld mit der Bergung und Verarbeitung von natürlichen Schwämmen. Diese werden vor allem im kosmetischen Bereich eingesetzt. Durch ihre etwas angeraute Oberfläche und ihre antibakteriellen Stoffe eignen sie sich ideal für die Reinigung des Körpers und des Gesichts. Auch die Alten Römer waren sich diesen Eigenschaften bereits bewusst und verwendeten Naturschwämme.

Naturschwämme

Die Gewinnung der Schwämme war vor allem früher – vor einigen Jahrzehnten-  sehr aufwendig, gefährlich und bedeutete für die Taucher Monate voller Entbehrungen. Fast sein ganzes Leben begab sich Mehmet von Mai bis Oktober mit einigen Kollegen aufs Meer und suchte an der Ägäis nach Schwämmen. Gelebt hat er auf einem kleinen Fischerboot. Eine professionelle Tauchausrüstung, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Es fehlt auch an Wissen über die Gefahren, die man seinem Körper beim Tauchen aussetzt. Informationen über den Umgang mit dem Druckunterschied im Wasser oder gar über Dekompressionskammer fehlte komplett. Dennoch sind die Taucher bis zu 80 Meter in die Tiefe gegangen. Das ist auch der Grund, weshalb viele Taucher verstarben oder mit starken Folgeschäden zu kämpfen haben. Für die Sauerstoffversorgung unter Wasser gab es damals lediglich einen Schlauch. Umso tiefer sie gingen, umso höher wurde die Gefahr der Taucherkrankheit.

Für die Familie und Freunde bedeutete der Abschied im Mai daher immer eine Zeit der Ungewissheit. Mit der Zeit hat sich die Technik um einiges verbessert. Es wurden Tauchanzüge, Gasflaschen und natürlich auch geeignete Boote eingeführt. Auch die Nutzung von Unterwasserkameras war eine große Erleichterung. Vor deren Einführung musste mehr oder weniger auf gut Glück getaucht werden. 

Mehmet zeigte uns auch sein ehemaliges Boot, das mittlerweile nur noch zu Demonstrationszwecken im Hafen steht. Auch durch sein jetziges Boot hat er uns geführt, überall hängen Bilder aus vergangenen Zeiten. Die Entwicklung, und damit die Vereinfachung des Berufes ist wirklich beeindruckend!

ehemaliges Boot-schwammtaucher

Das Wissen der Schwammtaucher wurde jeweils an die Söhne weitergegeben, so dass nichts verloren geht. Mehmet wollte das Kulturgut, seine Erfahrungen und sein Wissen auch den nächsten Generationen erhalten und hat hierzu ein Buch über seine und damit auch die Geschichte der Schwammtaucher verfasst. Aktuell ist es lediglich auf Türkisch erhältlich, es wird aber an weiteren Übersetzungen gearbeitet. Mittlerweile gibt es sowohl türkische, als auch deutsche Reportagen über die lebende Legende aus Bodrum. Mehmet bietet auch regelmäßig Tauchkurse an, um Interessierten seine Welt näher zu bringen.

Der Besuch bei Mehmet und seiner Familie war nicht nur interessant, sondern auch wahnsinnig inspirierend. Er lebt nicht nur für seine Leidenschaft, sondern ist auch extrem gastfreundlich. Ich habe mich selten so willkommen gefühlt!

Wir haben in Bodrum natürlich nicht nur Mehmet besucht, sondern auch die Region erkundet, eine Blaue Reise unternommen und waren im Hamam.  Jetzt Infos, Tipps und Erfahrungsberichte über Bodrum lesen

 

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