Hamam

Mein erster Besuch in einem türkischen Hamam

Zu einem Türkei Urlaub gehört auf jeden Fall ein Besuch in einem türkischen Hamam. Während die Badeanstalt früher vor allem zur religiösen Reinigung und als Ort der Kommunikation diente, geht es heute in erster Linie um Entspannung. Da man davon nie genug haben kann, habe ich mir in Bodrum  gemeinsam mit meiner Kollegin ein paar Stunden Zeit genommen und bin in ein Hamam gegangen – das erste Mal überhaupt! Wie das genau abgelaufen ist, was ihr mitnehmen solltet und ob man wirklich als neuer Mensch herausgeht, verrate ich euch jetzt.

Bevor es los geht noch ein paar Worte zur Geschichte des Hamams: Seinen Ursprung hatte das türkische Hamam schon vor einigen Jahrtausenden. Es geht nämlich auf die römische Badetradition zurück. In der Türkei erfüllte ein Hamam damals mehrere Zwecke: Zum einen diente es zur religiösen Reinigung, die im Islam eine große Rolle spielt. Zum anderen war das Hamam auch ein wichtiger Treffpunkt, um Neuigkeiten auszutauschen und den neusten Klatsch & Tratsch zu erfahren. Auch vor Hochzeiten wurde das türkische Bad aufgesucht. Durch die intensive Reinigung hat man sich nicht nur äußerlich gereinigt, sondern auch die Vergangenheit abgewaschen, sodass man bereit für die gemeinsame Zukunft war. Die Braut ist meist mit ihrer zukünftigen Schwiegermutter in das Bad gegangen, damit sich diese ein genaues Bild von der Schwiegertochter in spe machen konnte. Heute ist dem natürlich nicht mehr so, das türkische Hamam dient jetzt vor allem der Entspannung und weniger der Reinigung.


Mehr Eindrücke von unserem Besuch im Hamam gibt es in unserer Bodrum-Reihe auf YouTube


So läuft die Behandlung in einem Hamam ab

Der Ablauf ist je nach Hamam unterschiedlich. Komponenten, die allerdings immer vorkommen, sind das Dampfbad, ein Peeling und eine Schaumbehandlung. In einem klassischen Hamam werden Männer und Frauen voneinander getrennt behandelt. Gerade in touristischeren Region kann es aber durchaus vorkommen, dass hier kein Unterschied gemacht wird. Ihr solltet also unbedingt euren Bikini oder eure Badehose mitnehmen. Für uns ging es ins Avalon Spa & Wellness Bodrum. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung haben wir an der Rezeption Badeschuhe und ein Handtuch bekommen. Taschen und Wertsachen konnte wir in ein Schließfach sperren. 

Nehmt unbedingt eure Badesachen mit!

Umkleide Hamam

1. Schwitzen, schwitzen, schwitzen

Die erste Station bei meinem Hamam-Besuch war ein Dampfbad. Bei circa 60 Grad begann hier langsam das Schwitzen – die Muskeln werden dadurch entspannt und die Hautporen öffnen sich. Das besondere an der Sauna war, dass sie nicht komplett verholzt, sondern eine Seite verglast war. So hatten wir einen wunderschönen Blick auf die alten Windmühlen außerhalb der Wellnessoase – perfekt, um richtig herunterzukommen und zu entspannen. Ein wenig komisch fühlte es sich allerdings schon an, bei 26 Grad Außentemperatur in einer Sauna zu sitzen. Um sich von der Hitze zu erholen, gab es nach der Behandlung einen großen Schluck Wasser und weiter ging’s zur nächsten Station.

2. Die Behandlung auf dem Nabelstein

Die hauptsächliche Behandlung findet in einem Marmorsaal auf einem warmen Stein, auch Nabelstein genannt, statt. Zu Beginn setzt man sich allerdings zuerst auf eine beheizte Marmorbank, die an der Wand entlang führt. Hier gewöhnt man sich schnell an die Wärme und die hohe Luftfeuchtigkeit. Im nächsten Schritt wird man mit warmem Wasser gereinigt. Hierzu wird eine kleine Schüssel mit Wasser gefüllt und über einen gegossen. Frauen wurden bei meinem Hamam-Besuch übrigens zuvor gefragt, ob auch die Haare nass gemacht werden sollen. Danach ging es richtig los – es stand das „Kese“ – ein Peeling – an. Der durchführende Tellak (Bademeister) entfernt mit einem rauen Handschuh alte Hautschuppen und regt so gleichzeitig die Durchblutung an. Nach einer kurzen Reinigung mit der Wasserschale, folgte die Schaumbehandlung. Für die folgende Massage sollten wir uns zunächst auf den Bauch legen. Der Tellak taucht einen großen Leinen-Sack in eine Seifenlauge und wringt ihn über dem Körper aus. Am Ende ist man in einen riesigen Schaumberg gehüllt. Dieser wird langsam einmassiert und die Muskeln „sanft“ gelockert. Je nach Masseur kann die Massage allerdings auch etwas kräftiger ausfallen. Zum Schluss wird man wieder mit klarem Wasser abgewaschen. Achtung, nicht erschrecken: Die letzte Schale Wasser ist im Hamam mit eiskaltem Wasser gefüllt!

Nabelstein Hamam

3. Entspannung und ein Glas türkischer Tee

Nach der Behandlung ging es weiter in einen Ruheraum mit herrlichem Blick auf die Küste. Hier wurden wir mit türkischem Tee versorgt und konnten die Behandlung in Ruhe auf uns wirken lassen und nachspüren. Wer möchte, konnte sich auch noch eine Gesichtsmaske auftragen lassen. Je nachdem wie lange ihr euch zwischendurch in den Ruheraum legt, dauert die Behandlung ca. zwei Stunden. 

Liegen zum Entspannen in einem Hamam

Hamams gibt es in der Türkei viele. Die Kosten sind natürlich sehr unterschiedlich. Ab 40 Euro bekommt ihr bereits gute Angebote, nach oben gibt es keine Grenzen. Ihr solltet euch auf  jeden Fall davor ein wenig umschauen und vergleichen. Es lohnt sich auch im Hotel beziehungsweise bei der Agentur vor Ort nachzufragen, oftmals haben diese mit verschiedenen Bädern extra Konditionen. Auch viele Hotels haben einen großen SPA-Bereich mit einem eigenen Hamam. Entsprechende Wellness-Pakete könnt ihr auch bereits vor der Reise hinzubuchen.  Die Benutzung ist meistens inklusive, lediglich die Behandlung, sprich das Peeling und die Schaumbehandlung, kostet extra. 


 

Massage im hamam

Mein Fazit zum türkischen Hamam

Normalerweise bin ich kein großer Fan von Wellness-Anwendungen oder Massagen. Das türkische Hamam hat mich aber wirklich überzeugt. Ich habe mich im Vorfeld ein wenig informiert und häufig gelesen, dass es eher schmerzhaft als angenehm ist. Das war zumindest bei unserer Anwendung überhaupt nicht der Fall. Lediglich das Peeling ist etwas stärker als gedacht, dafür ist die Haut danach umso weicher. Auch die Schaummassage empfand ich als sehr angenehm. Der Stein, auf dem man liegt, ist schön warm und der Schaum umhüllt einen förmlich. Ich kann es jedem Urlauber nur empfehlen, denn als neuer Mensch bin ich zwar nicht aus dem Hamam herausgegangen, dafür aber umso tiefen entspannter!

 


 

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