Schottland Whisky

Wo das „Wasser des Lebens“ gebrannt wird: Whiskyregionen in Schottland

Die Frage nach der eigentlichen Heimat des Whiskys ist bis heute ein zwischen Iren und Schotten häufig und heftig diskutierter Zankapfel. Für den Ursprung Schottland spricht jedoch die urkundliche Ersterwähnung des gälischen Wortes „uisge beatha“ (auf Deutsch: „Wasser des Lebens“) in historischen Unterlagen von 1494. Begebt euch also mit uns auf eine Reise in die schönsten und bekanntesten schottischen Whiskyregionen.

Speyside: Das historische Kernland der schottischen Whiskyproduktion

Wenn ihr das Wichtigste über Whisky erfahren möchtet, können wir euch einen Besuch der Region beiderseits des gut 170 Kilometer langen Flusses Spey in den beiden traditionellen Grafschaften Banffshire und Morayshire nur wärmstens ans Herz legen. Die Speyside oder Strathspey ist die unter Kennern mit Abstand bekannteste und wirtschaftlich bedeutendste unter den schottischen Whiskeyregionen. Hier werden teils schon seit Jahrhunderten fast vier Dutzend namhafte „Single Malts“ produziert, darunter auch die beiden international erfolgreichsten Marken Glenfiddich und Glenlivet. Auch zahlreiche Abfüllbetriebe, Böttchereien und Mälzereien leben hier oft schon seit mehreren Generationen vom Whisky. Die meisten Brennereien und einschlägigen Betriebe findet ihr in den Städten Dufftown (Baile Bhainidh) mit aktuell sieben und Rothes (Ràthais) mit zurzeit vier Brennereien.

Ein „Pilgerweg“ für Liebhaber des flüssigen Goldes: Der Malt Whisky Trail

Aufgrund der weltberühmten lokalen Brennereien Glenfiddich, Glen Grant und Glenlivet sind diese Städte auch zwei von insgesamt acht Stationen des populären touristischen Erlebnisweges „Malt Whisky Trail.“ Der ganzjährig nutzbare Weg zwischen Ballindalloch und Forres umfasst darüber hinaus die Produktionsstätten der Marken Benromach und Dallas Dhu in Forres, Cardhu in Knockando und Glen Moray in Elgin sowie Strathisla in Keith. Außerdem könnt ihr auch die aktuell einzig verbliebene schottische Böttcherei für Whiskyfässer, die Speyside Cooperage in Craigellachie, besichtigen. Solltet ihr für euren Aufenthalt in der Speyside ausreichend Reisezeit zur Verfügung haben, empfehlen wir euch auch den überregionalen und 135 Kilometer langen Fernwanderweg Speyside Way von der Spey Bay bis nach Ballindalloch. Der mit einer weißen Distel im Sechseck ausgeschilderte Weg bietet leichte Wanderstrecken und führt vorbei an den Brennereien Aberlour, Craigellachie, Cragganmore, Macallan und Tomintoul.

Alte Whiskyfässer.

Whisky ist eine Wissenschaft für sich: Das Whiskyfestival „Sprit of Speyside“

Die heimliche „Welthauptstadt des Whiskys“ Dufftown beherbergt mit seinem kleinen „Whisky and Heritage Centre“ in der Conval Street zusätzlich ein interessantes und sehenswertes Whiskymuseum. Dort haben Besucher zwischen April und Oktober täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr die Gelegenheit, die Geschichte des wohl weltweit bekanntesten schottischen Exportproduktes detailliert zu erkunden. Noch besser besucht als dieses Museum ist allerdings das alljährlich im Frühjahr in Dufftown und Umgebung veranstaltete „Spirit of Speyside Whisky Festival“. Seit 1999 finden bei der größten internationalen Veranstaltung dieser Art an fünf Tagen rund 500 Veranstaltungen zum schottischen Nationalgetränk statt. Tausende von Gästen aus mehr als 50 Nationen besuchen und besichtigen dann Brennereien, Whiskeybars und Burgen im gesamten Gebiet Speyside. Besonders wissbegierige Besucher können auch an der dreitägigen „Whisky Shool“ im „Cardhu Distillery Conference Centre“ teilnehmen und sich ihr neu erworbenes Wissen mit einem Diplom bestätigen lassen.

Die Lowlands: Im schottischen Süden werden vor allem milde Whiskys destilliert

Anders als in den Highlands, wo hauptsächlich kräftige, würzige und herbe Whiskys zu finden sind, genießen der Süden Schottlands und dessen Brennereien einen guten Ruf als Heimat milderer und leichterer Destillate. Diese Charakteristik verdanken die Lowland Single Malts vor allem dem Umstand, dass beim Brennen wenig bis kein Torf Verwendung findet. Auch die für die Region traditionelle und typische Dreifachdestillation sorgt dafür, dass unerwünschte Aromastoffe wie etwa schwefelhaltige Verbindungen minimiert werden und der Whisky gewissermaßen „geschmeidiger“ wird.

Schottland Lowlands

Eine bekannte dreifach destillierte Marke ist zum Beispiel Auchentoshan aus dem Ort Dalmuir in der Council Area West Dunbartonshire bei Clydebank unweit von Glasgow. Weitverbreitete Marken aus dem Flachland sind außerdem Ailsa Bay von der Girvan Distillery in Girvan (South Ayrshire) und Bladnoch von der gleichnamigen, südlichsten schottischen Brennerei bei Dumfries, Galloway und Wigtown. Einen guten Namen unter Kennern genießt auch die bereits 1830 gegründete, 1924 geschlossene und 2007 neu eröffnete Annandale Distillery. Erst seit 2005 produziert hingegen die Daftmill Distillery in der Council Area Fife. Noch jünger ist die 2014 eröffnete Kingsbarns Distillery im Küstenort gleichen Namens ebenfalls, die aufgrund ihres modernen Besucherzentrums in kurzer Zeit einige Bekanntheit erlangt hat.

Eine Institution der Brennkunst seit fast 100 Jahren: Die Glenkinchie Distillery

Die Geschichte der Brennerei nahe des Dorfes Pencaitland in der Council Area East Lothian begann 1825. Nach der Nutzung als Sägemühle ab 1853 wird die Anlage seit 1881 wieder für die Whiskyproduktion genutzt. Im Jahr 1969 wurde die hauseigene Mälzerei geschlossen und in den Räumlichkeiten ein heute viel besuchtes Whiskymuseum eröffnet. Dort befindet sich ein großes Modell, welches den Gästen die einzelnen Schritte der Produktion erläutert. Mit einem Produktionsvolumen von 1,7 Millionen Litern pro Jahr gehört Glenkinchie sowohl zu den größten Destillerien in den Lowlands als auch in ganz Schottland. Erhältlich ist Whisky von Glenkinchie in der 12 Jahre alten Variante, der im Amontillado-Sherry-Fass nachgereiften Distiller’s Edition sowie der nur vor Ort erhältlichen Marke Cask Strength. Bei dem renommierten Wettbewerb für Whisky, den „World Whiskies Awards“ in London, wurde der Glenkinchie 12 Year Old im Jahr 2013 zum Best Lowland Single Malt gewählt. Dank des zwei Mal täglich von der Brennerei angebotenen Shuttleservices ab Edinburgh könnt ihr die Brennerei zeitlich relativ flexibel nach euren Wünschen besichtigen.

Hier schlägt das kulturelle Herz Schottlands: Edinburgh

Vor oder nach einer Besichtigung von Glenkinchie solltet ihr der schottischen Hauptstadt Edinburgh unbedingt einen Besuch abstatten. Hier findet ihr zahlreiche Sehenswürdigkeiten vor,  wie zum Beispiel das beeindruckenden Edinburgh Castle und kulturelle Ereignisse, wie das „Edinburgh Military Tattoo“, das größte Musikfestival in Schottland.

In Edinburgh gibt es außerdem zahlreiche Pubs, wo ihr an einem einzigen Ort sämtliche Whiskys des Landes probieren könnt. Macht euch also auf zu einem Pub Crawl und probiert euch durch die verschiedenen Whiskys Schottlands. Die Barkeeper und Pubbesitzer helfen euch bestimmt gerne bei der Auswahl und sind immer für einen Plausch zu haben. Edinburgh ist auch ein Muss, wenn ihr nicht besonders viel Zeit habt, um andere Whiskyregionen des Landes zu erkunden, und dennoch die gesamte Auswahl des schottischen „Lebenswassers“ kosten möchtet.

Die Highlands: In der größten schottischen Whisky-Region ist „Nessie“ zu Hause

Über zwei Dutzend Brennereien gibt es aktuell in den Highlands. Die Region im Norden einer Linie zwischen den Städten Stonehaven in Aberdeenshire und Dumbarton Rock in West Dunbartonshire ist für delikate, kräftige und würzige Whiskys mit komplexen Aromen und leicht herbem bis gelegentlich salzigem Abgang bekannt. Die mineralische Note vieler Highlandwhiskys erklärt sich auch durch die Lage der meisten Brennereien an der Küste.

Einer der international bekanntesten Whiskys aus den Highlands ist Glenmorangie aus der Kleinstadt Tain etwa 40 Kilometer nordöstlich von Inverness. Seit 1843 wird hier mit kurzen Unterbrechungen Whisky gebrannt. Eine berühmte Besonderheit sind die acht Meter hohen Brennblasen, welche die höchsten ihrer Art in ganz Schottland darstellen. Die Glenmorangie Distillery könnt ihr gut im Rahmen eines Tagesausfluges von Inverness aus besuchen. Mit dem Mietwagen erreicht ihr Tain in ca. 30 Minuten Fahrtzeit auf der Fernstraße A9. Die Stadt ist auch an die Eisenbahnlinie „Far North Line“ angebunden. Nur wenige Kilometer südlich von Inverness liegt hingegen der gut 56 km² große See Loch Ness, der wegen des dort in der Tiefe angeblich lebenden Ungeheuers „Nessie“ jedes Jahr von zahlreichen Urlaubern aufgesucht wird.

Heimat eines hundertprozentigen Whiskys: Die Highland Park Distillery

Die nördlichste Whiskybrennerei in Schottland wurde 1798 in der Stadt Kirkwall auf der größten Orkney-Insel Mainland gegründet. Als eine der wenigen Brennereien in den Highlands betreibt die Firma bis heute eine eigene Mälzerei, der Torf hierfür stammt aus dem nahe gelegenen Hobbister Moor. 1984 errang ein Whisky von Highland Park als erster und einziger bislang die Wertung von 100 Prozent bei einer von der schottischen Zeitung „The Scotsman“ veranstalteten Verkostung. Auch weitere Produkte wie der Highland Park Single Malt Scotch (12 Jahre) und der Highland Park (21 Jahre) konnten in der Vergangenheit schon begehrte Preise verzeichnen. Die Brennerei Highland Park ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten auf den Orkneyinseln. An Werktagen finden das ganze Jahr über mehrere Führungen statt, in der sommerlichen Hauptsaison auch an den Wochenenden. Im Sommer ist eine vorherige Reservierung obligatorisch.

Der ideale Ort für eine Whiskyprobe: Der Berg Lochnagar bei Balmoral Castle

Ebenfalls ein überregional bekannter Publikumsmagnet für Whiskyfreunde aus aller Welt ist die 1845 gegründete Brennerei Royal Lochnagar in Ballater in der Council Area Aberdeenshire nahe des Flusses Dee und des Berges Lochnagar etwa zwei Kilometer entfernt vom königlichen Schloss Balmoral Castle. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Firma aus den südöstlichen Highlands offizieller Hoflieferant und darf deshalb den Zusatz „Royal“ führen. Das Unternehmen bietet aktuell sechs verschiedene Führungen durch die Anlage und die Umgebung mit anschließender Verkostung an. Eine sehr beliebte Tour führt zum Beispiel zu den Quellen („Top Dam“) direkt am benachbarten 1.155 Meter hohen Berg Lochnagar.

Der Fluss Dee.

Geschichte und Gegenwart einer historischen Whiskyregion: Campbeltown

Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein wurde in der kleinen Ortschaft am Campbeltown Loch mit aktuell gut 4.800 Einwohnern in der südwestlich gelegenen Council Area Argyll and Bute auf der Kintyre-Halbinsel in mehr als 30 Brennereien Whisky produziert. Man nannte sich stolz „die Whiskyhauptstadt der Welt“. Die Konzentration auf Masse statt Klasse wie der Verlust des US-amerikanischen Marktes in der Zeit der Prohibition zwischen 1920 und 1933 sorgte jedoch für den stetigen Niedergang der lokalen Industrie und zur endgültigen Schließung der meisten Brennereien. Heute gibt es nur noch die drei Hersteller Glengyle, Glen Scotia und Springbank. Der Letztgenannte ist das einzige komplett in Familienbesitz befindliche Unternehmen. Häufig gelobt von Besuchern werden die sehr freundlichen Führungen durch die Anlage, bei denen im Gegensatz zu vielen anderen schottischen Brennereien auch sämtliche Maschinen und Gerätschaften fotografiert werden dürfen.

Auf der größten Insel der Inneren Hebriden wird auch guter Whisky gemacht: Islay

Die knapp 620 km² große Insel Islay liegt wenige Kilometer vor der Küste nordwestlich von Campbeltown, konnte sich aber ihre altehrwürdige Whiskytradition besser erhalten. Von den einst fast zwei Dutzend Brennereien im 19. und frühen 20. Jahrhundert konnten bis heute immerhin acht ihr Überleben sichern. Die Branche ist nach der Landwirtschaft der größte Arbeitgeber auf dem Eiland. Zum bekannten „Festival of Malt and Music“ (Fèis Ìle) jedes Jahr Ende Mai kommen regelmäßig zahlreiche Besucher sowohl vom irischen wie auch englischen Festland. Für euren Besuch nutzt ihr am besten die häufig verkehrende Fähre von Kennacraig auf der Halbinsel Kintyre bis nach Port Ellen.

Whiskys von der Insel Islay zeichnen sich meist durch deutliche, kräftige sowie starke Rauch- und Torfaromen aus. Eine der meistbesuchten Brennereien auf der Insel ist die Lagavulin Distillery an der gleichnamigen Bucht an der Südküste. Das bereits 1816 gegründete Unternehmen verfügt nur über eine recht kleine, aber sehr erfolgreiche Produktpalette, die von Kunden auf der ganzen Welt stark nachgefragt wird.

Verschiedene Whiskysorten.

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