rote Lampenschirme in Japan

Eine Woche mit dem Zug durch Japan

Diesen Frühling ging es für mich einige Monate zum Sprachaufenthalt nach Japan. Als Ausgleich zum Leben in der Großstadt, nutze ich ein paar freie Tage für eine Entdeckungsreise mit dem Zug. Ich nehme euch ein Stück mit und erkläre euch, was der Railpass ist und warum ihr ihn unbedingt braucht. 

Mit dem (Schnell-)Zug durch Japan – so funktioniert’s

Wer mit dem Zug durch Japan reisen möchte, kommt an dem Japan Railpass eigentlich nicht vorbei. Einigen von euch dürfte Interrail ein Begriff sein. Ein Ticket, mit dem man innerhalb eines festgelegten Zeitraums, eine bestimmte Anzahl Zugfahrten machen kann. Damit spart man gegenüber den Einzelfahrten oft beträchtliche Summen und ist trotzdem sehr flexibel in der Routenwahl. So ähnlich funktioniert auch der Japan Railpass.

Hokuriku Shinkansen

Japan besitzt ein besonders gut ausgebautes Schienennetz. Die Züge sind pünktlich, schnell und bringen euch zuverlässig auch in die entlegeneren Ecken des Landes. Das hat jedoch meist seinen Preis. So zahlt man für eine einfache Fahrt zwischen den beiden großen Zentren Tokyo und Osaka gut und gerne 100 Euro. Für Besucher gibt es mit dem Japan Railpass aber eine gute Alternative.

Wo kann ich den Japan Railpass kaufen?

Ihr könnt den Railpass für verschiedene Zeiträume kaufen – entweder 7, 14 oder 21 Tagen. In diesem Zeitraum könnt ihr fast das gesamte Schienennetz ( alle Strecken der Japan Railway inklusive der Shinkansen-Strecken, außer die Hochgeschwindigkeitszüge Nozomi und Mizuho auf der
Tokaido-, Sanyo- und Kyushu-Linie) kostenfrei nutzen. Der Preis ist dabei immer der gleiche und so lohnt sich der Railpass je nach Situation schon ab der dritten Zugfahrt.

Japan Rail Pass

Ihr könnt den Pass entweder in Deutschland in ausgewählten Reisebüros, online oder auch vor Ort am Flughafen oder an verschiedenen Bahnhöfen kaufen. Bei der Buchung vor Ort, müsst ihr allerdings mit einem Aufschlag rechnen. 

Tipp: Der Japan Railpass kann im Reisebüro auch über FTI gebucht werden. Ihr erhaltet ihn dann gemeinsam mit euren Reiseunterlagen.

Wie funktioniert der Japan Railpass?

Grundsätzlich gestaltet sich das Reisen mit dem Railpass sehr einfach und unkompliziert. In Japan sind die Bahnhöfe durch Drehkreuze gesichert. Mit dem Japan Railpass könnt ihr diese leider nicht nutzen, sondern müsst euch jeweils seitlich an das Bahnhofspersonal wenden. Das geht aber genauso schnell und ihr werdet zusätzlich freundlich begrüßt.

Am Bahnsteig selbst gibt es am Boden Markierungen, die euch anzeigen, wie und wo ihr euch anstellen müsst. Die Menschenmassen und die unglaubliche Größe sind am Anfang etwas überwältigend. Man merkt aber schnell, dass dieses “Chaos“ sehr gut organisiert ist.

Beim Einsteigen solltet ihr beachten, ob ihr in einen Wagen mit oder ohne Sitzplatzreservationen steigt. Sitzplätze könnt ihr kostenlos vor der Reise reserviert. Dafür wendet ihr euch einfach an den jeweiligen Service Schalter am Bahnhof. 

1. Kanazawa

Kommen wir aber jetzt zu meiner Reise durch Japan. Ich startete meine Reise in Tokyo, genauer gesagt am Bahnhof Shibuya. Am Schalter der Japan Railways (JR) kaufte ich meinen Railpass für die nächsten 7 Tage.

Schon wenige Stunden später saß ich im bequemen Schnellzug, dem Hokuriku-Shinkansen, welcher mich in knapp 3 Stunden von der Hauptstadt Tokyo einmal quer durch die japanischen Alpen an die Westküste nach Kanazawa brachte.

kanazawana in Japan

Im Gegensatz zu den meisten größeren Städten Japans, befindet sich Kanazawa nicht an der Ost- sondern an der Westküste des Landes. Somit ist schon die Anreise ein ganz spezielles Erlebnis, da man mit dem Schnellzug einmal quer über die Insel fährt.

Auch sonst hat mir die Stadt sehr gut gefallen. Ähnlich wie Kyoto war sie während des Krieges nicht von den vielen Luftangriffen betroffen. Aus diesem Grund blieben viele alte Stadtviertel bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Das bekannteste Viertel ist das ehemalige Teehausviertel „Higashi Chaya“.

Tempel in kanazawa

Ich besuchte das Viertel am nächsten Morgen. Die Straßen waren zu dieser Zeit noch menschenleer und ich genoss die Ruhe während eines Spaziergangs entlang des Flusses und durch die kleinen Gassen.

Auf dem Rückweg besuchte ich den lokalen Fischmarkt. Neben unzähligen Ständen gab es hier auch ganz viele Restaurants. Gegen Mittag ging ich zurück zum Bahnhof, wo ich eine typische japanische Lunch Box (Bentobox) als Proviant für die rund 3-stündige Zugfahrt entlang der Westküste nach Osaka kaufte. 

2. Osaka

Den Abend verbrachte ich mit ein paar Freunden im Viertel Shinsekai. Am besten besucht man den Stadtteil am frühen Abend. Dann verleihen die zahlreichen Neonlichter den Gassen eine ganz spezielle Atmosphäre. Wir besuchten eines der vielen Kushikatsu Restaurants. Die frittierten Spießchen aus Gemüse und Fleisch sind hier äußerst beliebt.

osaka shinsekai

Am nächsten Tag fuhr ich in den Stadtteil Chochin-dori. In den überdachten Arkaden reihen sich Restaurants und kleine Läden eng aneinander. Bekannt ist das Viertel aber vor allem für die Hunderte traditionellen Chochin-Lampions.

Lampion in Osaka

Absolut empfehlenswert ist auch Osakas bekanntestes Stadtviertel Dotonbori, welchem ich am Abend einen Besuch abstattete. Hier gibt es eine schier unendliche Auswahl an Restaurants entlang des Flusses. Wie auch in Shinsekai gibt es hier die für Japan typischen Neonlichter.

3. Okayama & Kurashiki

Ich reiste weiter Richtung Süden nach Okayama. Die Stadt zwischen Osaka und Hiroshima findet bei Reisenden oft wenig Beachtung. Meiner Meinung nach zu Unrecht. Für Besitzer eines Railpasses ist die Stadt der ideale Ausgangspunkt: Innerhalb kurzer Zeit erreicht man ab Okyama viele interessante Ziele im südlichen Teil der Insel Honshu. Doch auch in Okayama selbst und in der direkten Umgebung gab es einiges zu entdecken.

Ganz in der Nähe des Bahnhofes liegt der Korakuen, einer der drei schönsten Landschaftsgärten Japans.

Landschaftspark in Kurashiki

Ein ganz besonderes Highlight meiner Reise war Kurashiki, welches lediglich 10 Minuten mit dem Zug von Okayama entfernt liegt. Das historische Städtchen ist vor allem für die kleinen Kanäle aus der Edo Zeit bekannt, an dem sich noch heute viele, alte Lagerhäuser befinden. Mittlerweile wurden sie zu Museen, Boutiquen oder Cafés umgebaut. 

kanal in Kurashiki in Japan

Auch hier zeigte sich Okayama als perfekte Basis. So konnte ich bereits früh am Morgen anreisen und hatte das Viertel fast für mich alleine.

4. Matsumoto

Die letzte Station meiner Reise war Matsumoto. Die Stadt in den japanischen Alpen ist nicht ans Netz der japanischen Schnellzüge angebunden. Trotzdem erreicht man sie bequem ab Nagoya mit einem lokalen Zug. Nach dem Check-in im Hotel machte ich mich zu Fuß auf den Weg zu Matsumotos bekanntester Sehenswürdigkeit, der Burg.

Aufgrund der schwarzen Farbe und der „ausgebreiteten Flügel“ erhielt die Burg den Spitznamen Krähenburg. Diese stand schon lange auf meiner „To-do Liste“ der Dinge, die ich in Japan einmal sehen wollte.

Krähenburg Matsumoto

Nicht nur die schwarze Farbe, sondern auch die Tatsache, dass es sich bei der Burg um eine der wenigen noch original erhaltenen Burgen Japans handelt, machen sie zu einem beliebten Ausflugsziel. In Japan gibt es nur noch wenige Burgen im ursprünglichen Zustand, da viele in ihrer langen Geschichte durch Naturkatastrophen, Feuer oder im Kriege zerstört wurden.

Nach einem faszinierenden Rundgang im Inneren der Burg – inklusive fantastischem Ausblick aus der obersten Etage – war auch der Park rund um die Burg sehr sehenswert. Diese ist nämlich von einem breiten Wassergraben umgeben und spiegelt sich bei gutem Wetter eindrücklich im Wasser. Besonders schön war das am frühen Morgen bei Sonnenaufgang zu sehen.

Ansonsten ist Matsumoto eine eher beschauliche Stadt und so verbrachte ich den Rest des Nachmittages im Stadtteil Nakamachi. Ähnlich wie in Kurashiki gibt es dort viele ehemalige Handelshäuser, die heute zu kleinen Cafés und Boutiquen umgebaut wurden.

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann Matsumoto auch gut als Ausgangspunkt für Ausflüge in die japanischen Alpen nutzen. Den letzten Gültigkeitstag meines Railpasses nutzte ich für die Rückfahrt nach Tokyo

Als Fazit kann ich den Railpass nur jedem empfehlen, der Japan auf eigene Faust entdecken möchte. Dafür bietet Japan die idealen Voraussetzungen. Das Schienennetz ist unglaublich gut ausgebaut und die Züge sind immer pünktlich und sehr komfortabel. Für meine nächste Reise ist der Railpass schon fest eingeplant und dient mir sicherlich wieder als gute Basis, um weitere Regionen Japans zu entdecken.

Wenn ihr noch ein Hotel für euren Japan Aufenhtalt braucht, schaut gerne bei unseren Angeboten vorbei! Wenn ihr möglichst viel von Japan sehen wollt, werft am besten auch einen Blick auf unsere Rundreisen . Wir wünschen euch eine schöne Zeit in Japan!

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