Kap Hoorn Pinguine

Reisebericht Kap Hoorn: Eine realisierte Traumreise

Unsere Kollegin Angela hat ihren großen Traum verwirklicht! Sie ist zum Kap Hoorn gereist! Gestartet hat die Reise in Kolumbien, dann ging es weiter nach Chile, Argentinien und Uruguay. Bei einer Kreuzfahrt am südlichsten Ende von Südamerika erlebte sie atemberaubende Landschaften, sah Pinguine und machte tolle Ausflüge. Erfahrt mehr über die außergewöhnliche Traumreise Rund um Kap Hoorn.

Seit Jahren träume ich davon, mal mit einem Großsegler das Kap Hoorn zu umsegeln und weil manche Träume im Laufe der Jahre bescheidener werden, habe ich diesen Traum nicht mit einem Segelschiff, sondern ganz komfortabel mit dem Kreuzfahrtschiff, dafür aber mit viel Rahmenprogramm in Südamerika, realisiert.
Unser erster Stopp war Bogota, wo wir Freunde besucht und einen kleinen Eindruck von Kolumbien bekommen haben: Tolle Landschaft und ein reiches Kulturerbe. Dank der Bodenschätze war das Land schon früh ganz weit vorne. Man sollte unbedingt das Goldmuseum in Bogota besuchen!!

Zwei weitere Highlights: der Berg Monserrate, eine Pilgerstätte für die Katholiken und ein toller Aussichtspunkt auf über 3.000 Meter Höhe und die Salzkathedrale von Zipaquira, ein einzigartiges Salzbergwerk, in dem die ehemaligen Abbau-Stollen jetzt ein mystischer Kreuzgang und ein gigantisches Kirchenschiff sind. In Bogotas Altstadt La Candelaria, mit vielen Häusern aus der Kolonialzeit, gibt es ein paar schöne Boutique-Hotels.

Leider mussten wir nach zwei Tagen schon weiter. Nächstes Ziel war Santiago de Chile, immerhin etwa 6 Stunden Flugzeit von Bogota entfernt. Die Stadt ist nicht spektakulär, sie ist einfach sympathisch. Etwas sexistisch empfand ich die dortige alte Kaffeehauskultur – serviert wird in knappen Kleidern und kurzen Röcken und früher waren nur Männer in diesen Cafés.

Nach einer umfassenden Stadtrundfahrt mit alter Markthalle, Kathedrale, Pferderennbahn und verschiedenen Stadtteilen ging es weiter. Von Santiago kommt man in ca. 1,5 Stunden quer durch eines der chilenischen Weinanbaugebiete nach Valparaiso, eine einzigartige Stadt auf unzähligen Hügeln. Nüchtern betrachtet ist die Stadt ziemlich marode, einschließlich der Aufzüge bzw. Standseilbahnen, die einem helfen, die vielen Hügel zu erklimmen. Mit der rosaroten Urlaubsbrille wird der Ort sehr malerisch, viele Künstler haben sich hier niedergelassen.  Boutiquen, Restaurants, kleine Hotels und Pensionen für Backpacker gibt’s es unzählige und ein paar Kilometer entfernt liegt Vina del Mar, ein Badeort mit langem Sandstrand. Die Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe und gilt als Kulturhauptstadt Chiles.

Am nächsten Tag ging dann endlich die Kreuzfahrt los. Die erste „Begegnung“ mit einem schwimmenden Hotel finde ich immer besonders spannend. Da steht man dann als kleiner Mensch neben einem Koloss von ca. 30m Höhe und gut 250m Länge, der für die nächsten Tage das Zuhause ist.

Den ersten Seetag haben wir ziemlich gefaulenzt. Der große Vorteil auf Kreuzfahrtschiffen: Es gibt immer irgendwo etwas zu essen. Es ist also egal, ob ich das Frühstück verschlafe oder zur Mittagszeit gerade keinen Hunger habe, ich kann essen, wann ich will.
Puerto Montt, unser erster Hafen war gleich Tenderhafen, d.h. Ausschiffung mit den Rettungsbooten. Unser gebuchter Ausflug  sollte früh losgehen, die Agentur hatte uns empfohlen dafür zu sorgen, dass wir in einem der ersten Tenderboote sitzen und darum hat sich unsere kleine Gruppe gefühlt noch vor dem Aufstehen getroffen, um Tenderboot-Tickets für das erste Boot zu bekommen, was auch geklappt hat.
In der Umgebung von Puerto Montt gibt es ein paar Highlights: die Stromschnellen von Petrohue, den Lago Todos los Santos, den großen See Llanquihue mit einer grünen Lagune und die Stadt Puerto Varas mit viel deutschem Einfluss. Und unsere Tour hat all diese Punkte „abgehakt“.Lieber wäre ich an einem der Orte länger geblieben und vielleicht mal 2 Stunden Wandern gegangen.

Puerto Montt

Stromschnelle in Puerto Montt

Das haben wir dann im nächsten Hafen Puerto Chacabuco gemacht. Der Ort bietet quasi gar nichts, hat aber eine tolle Umgebung. Diese konnten wir bei einer Tour mit Angelika, die aus Hessen kommt und vor ein paar Jahren nach Chile ausgewandert ist, bestaunen. Nach einer schönen Fahrt durch das Flusstal des Rio Aysen und des Rio Simson waren wir mit unserer kleinen Gruppe von 10 Personen im Nationalpark von Coihaique ca. 3 Stunden wandern. Unser Lunchpaket waren die leckersten Sandwiches auf dieser Reise mit wahlweise Wasser, Limo oder einem köstlichen, lokalen Bier.

Ausblick Coyahique

Coihaique

Die zwei folgenden Seetage waren herrlich entspannend. Zur Unterhaltung oder eher zum Amüsement haben wir uns die Teilnahme an einer Kunstauktion gegönnt. Ein beliebter Zeitvertreib auf amerikanischen Kreuzfahrtschiffen, wird immer öfter auch von europäischen Reedereien angeboten. Trotz ziemlich guter Englisch-Kenntnisse habe ich nicht wirklich verstanden, was ich hätte tun müssen, um eines der Bilder zu einem guten Preis zu ersteigern. Alternativ gab es Vorträge, Sport, Fitness, Strickkurse, Handtuch- oder Servietten-Falten und ähnliches, eigentlich für jeden Geschmack was dabei. Oder Man(n)/Frau liest einfach mal ein gutes Buch. Mit WLAN an Bord sollte man nicht unbedingt rechnen. Es wird angeboten, sogar als Flatrate, aber zu einem Tagespreis für den ich in Deutschland einen Monat unbegrenzt surfe, und es soll langsam gewesen sein.

Und dann waren wir da: Punta Arenas, Patagonien, südlichster Landzipfel des amerikanischen Kontinents, quasi kurz vor der Antarktis. In Punta Arenas haben wir uns einen ganz besonderen Ausflug  gegönnt und waren auch nur 5 Personen vom Schiff. Ich wollte unbedingt in Patagonien Reiten gehen und Kayak fahren auf der Magellanstraße gab’s noch als Sahnehäubchen obendrauf. Es war genial. Drei Guides für uns, die alle Englisch und einer sogar Deutsch sprachen, super Equipment (Trockenanzüge, Neoprenhandschuhe, Schwimmweste) mit dem wir ausgestattet wurden, gute Erklärungen. Nur paddeln mussten wir selbst. Das war auf dem Hinweg noch OK, Wind und Wellen von hinten. Auf der Rückfahrt kam beides von vorne – ganz schön anstrengend! Mit einem Lunch in einer gemütlichen und gastfreundlichen Hosteria wurden wir belohnt und für das Reiten gestärkt. Obwohl wir nur ca. 2 Stunden im Schritt und ein wenig Trab unterwegs waren, haben wir in dieser kurzen Zeit unterschiedliche Landschaften erlebt. Und hatten, zurück an Bord, viel zu erzählen.

Mitreisende hatten in Punta Arenas den Pinguin-Ausflug auf die Isla Magdalena gemacht. Am Ende der Reise stand für sie fest, dass das die beste Pinguin-Tour war.


Am nächsten Tag mussten bzw. wollten wir früh aufstehen, obwohl wir erst Mittags im Hafen ankamen. Aber ab ca. 7:00 Uhr fuhr die MS Norwegian Sun auf dem Beagle Kanal an einem Gletscher nach dem anderen vorbei. Benannt sind sie nach den Nationalitäten der Seeleute an Bord des ersten Schiffes, das diesen Kanal entdeckt hatte (z.B. Gletscher Aleman, Gletscher Francia). Nächster Stopp: Ushuaia, das Tor zur Antarktis. Der Ort ist stark auf „Outdoor“ ausgerichtet. Die Expeditionsschiffe starten hier in die Antarktis, die kleinen Kreuzfahrtschiffe starten hier zum Kap Hoorn und auch Wanderungen und Touren in die Nationalparks gehen hier los.
Wir hatten wieder eine Tour  (6 Personen) gebucht und hatten einen tollen, sehr kundigen Guide, der uns in den „Tierra del Fuego“ Nationalpark geführt hat. Seine Erklärungen und Geschichten zu Flora und Fauna haben uns interessante Einblicke gegeben, was passiert, wenn der Mensch versucht, in das Ökosystem einzugreifen, indem z.B. Füchse angesiedelt werden, die Kaninchen fressen sollen, sich aber lieber auf die Gänse stürzen. Oder Biber, die zur Pelztierzucht gedacht waren, sich mangels natürlicher Feinde rasant vermehren und durch ihre Biberbauten die Bäche anstauen und die Bäume absterben und damit viel Schaden bringen.
Am nächsten Morgen stand ein weiteres Highlight auf dem Programm – der Trip zum Kap Hoorn. Ich hatte mit Monsterwellen, Sturm, Regen und Nebel gerechnet. Bis zu 250 km/h kann der Wind hier erreichen und es regnet an über 250 Tagen, etwa 800 Schiffe sind am Kap untergegangen, zehntausend Seeleute ertrunken – und was hatten wir: Sonne & Wolken, pottebene See und ein fürs Kap schwacher Wind. Es war trotzdem kalt, und vor allem früh am Tag, aber dank der tollen Erläuterungen des Lektors eine spannende Morgenstunde rund ums Kap.


Nachdem wir dank Fernglas und Teleobjektiv den Leuchtturm, das Albatros-Denkmal und selbst die von anderen Schiffen aus an Land gegangenen Menschen erkennen konnten und genug Bilder gemacht hatten, wurde Kurs auf die Falkland Inseln genommen. Am Pooldeck fand am Mittag die „Kap Hoorn“-Taufe statt, Kapitän und Hoteldirektor haben allen Freiwilligen (und die standen Schlange) eine Kelle eiskaltes Wasser über den Kopf gekippt, die Bordfotografen viele Fotos gemacht und die Wäscherei hatte danach viel zu tun, weil jeder ein Badehandtuch zum Abtrocknen bekam.

Vor der Etappe zu den Falklands hatte ich am meisten Respekt und mit unruhiger See und kaltem Wetter gerechnet, aber wir haben uns einen Sonnenbrand geholt. Wir konnten in windgeschützten Ecken des Pooldecks gemütlich ein Buch lesen und uns die Sonne auf die Nase scheinen lassen.

Die Falklandinseln sind wirklich nicht viel mehr als ein paar Felsen im Atlantik.
Wir hatten keine Tour gebucht, denn 1) richtig teuer und 2) hatten wir gelesen, man könnte zu einer kleinen Pinguin-Kolonie sogar laufen. Bei diesem Spaziergang mussten wir das erste und einzige Mal wirklich dem Wetter trotzen. Es war kalt, windig und hat geregnet und ich war dankbar für unsere gute Outdoor-Kleidung, die uns trocken hielt. Nach knapp 2 Stunden durch den Ort Stanley und wild-karger Landschaft waren wir in der Gypsy Cove (mit zig Anderen, die per Tour oder Shuttlebus unterwegs waren) und haben unsere ersten Pinguine gesehen. Eine kleine Gruppe saß weit weg am Strand, aber ein Vorwitziger kam bis zum Weg, den hätten wir glatt einpacken können, so nah, zutraulich und neugierig war er.

Am Nachmittag haben wir Stanley bei schönstem Sonnenschein in Richtung Puerto Madryn wieder verlassen und hatten einen weiteren Seetag bei ruhiger See vor uns.

Es gibt in diesem Hafen zwei interessante Touren, die eine davon führt zur weltweit wohl größten Pinguin-Kolonie in Punta Tombo  – und war von ca. 2/3 der Gäste des Schiffes gebucht worden. Durch das kurze Zeitfenster aufgrund der Liegezeit des Schiffes und ca. 2 Stunden Anfahrtszeit waren auch alle etwa gleichzeitig dort. Aber trotz Massenauflaufs war es beeindruckend. In Punta Tombo paaren sich, brüten und leben in der Zeit ab September ca. 500.000 Magellanpinguine, die bis zu 2 km landeinwärts laufen, um ihre Nester zu bauen!

Pinguine Punto Tombo

Pinguine in Punta Tombo

Das war dann leider auch unser Abschied von den „Landschafts-Häfen“ und von Patagonien. Nach einem weiteren Seetag waren wir sanft wieder zurück in der Zivilisation, in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Die Stadt liegt am Rio de la Plata, hat gut 1 Mio Einwohner und gilt als eine der sichersten Städte Südamerikas. Auch hier gibt es eine wunderschöne, alte Markthalle, in der sich viele Asado Restaurants befinden, jedem Fleischliebhaber geht hier das Herz auf, jeder Vegetarier bekommt wahrscheinlich die Krise. Wir sind einfach durch die Stadt spaziert, haben uns die wichtigsten Plätze angesehen, das Denkmal für den Freiheitskämpfer Artigas und die Kathedrale besichtigt und hatten zwei schöne Gespräche mit Einheimischen über Land und Leute.

Montevideo Grill

Streetfood Montevideo

Abschied vom Kreuzfahrtschiff. Am Abend trinken wir das letzte Mal ein paar Cocktails in „unserer“ Runde, Mitreisende, die sich über die Ausflüge gefunden und immer mal wieder ein paar Stunden gemeinsam verbracht hatten. Gut organisiert geht am nächsten Morgen auch die Ausschiffung in Buenos Aires voran, gegen 9:30 Uhr wird unsere Farbe aufgerufen und wir verlassen das Schiff.
Unser Guide Sonia Damerau holt uns am Hafen ab. Sie hat ein unglaubliches Wissen über die Stadt und das ganze Land, das sie uns auf sympathische Weise vermittelt. Wir genießen es, wieder einen Guide nur für uns zwei zu haben. Das ist zwar teuer, aber so sind die Besichtigungen und Erlebnisse viel persönlicher und intensiver. Auch Argentinien hat einen berühmten Freiheitskämpfer: Das Mausoleum von General San Martin haben wir in der Hauptkathedrale besucht. Alles wichtige über die Stadt könnt ihr hier nachlesen, darum nur in Kürze unsere Highlights:
– ein Bummel durch das Stadtviertel La Boca, in dem auch das Stadion des Fussballclubs Boca Juniors steht: bunt, farbenfroh, voller Touristen und an jeder Ecke ist der neue Nationalheld von Argentinien zu finden. Diego Maradona wurde abgelöst durch Papst Franziskus.
– Der Friedhof von Recoleta, auf dem auch Evita begraben liegt, aber das eigentlich beeindruckende sind die Grabmal-Häuser, die den Friedhof wie eine kleine Stadt wirken lassen.
– Der Flohmarkt von San Telmo am Sonntag. Nach Ende des Marktes um 16 Uhr gibt es „Straßen-Tango“. Eines der Tänzerpaare waren ein Großvater mit seiner hochschwangeren Enkelin – so viel Lebensfreude, die aus den Augen des Alten blitzten und so viel Erotik in den Bewegungen!Kap Hoorn

Der Höhepunkt am Abend: The Argentine Experience.  Hier kommen Leute aus aller Welt zusammen. Es gibt guten, argentinischen Wein unlimited und ganz viele Informationen rund um das argentinische Essen, die mit viel Spaß erzählt werden. Wir haben unsere eigenen Empanadas gestaltet, viel über Steaks gelernt, Alfajores selbst gemacht und gelernt, wie Mate korrekt zubereitet und getrunken wird.

Argentine Experience

Argentine Experience

Der Abend in der Tango Show Viejo Almacen war dagegen nur mittelmäßig. Vor allem das Essen, das optional vor der Show gebucht werden kann, kann man sich sparen . Die Qualität war gut, aber die Atmosphäre eher wie in einer Kantine. Die Show selber ist perfekt, sie soll eine der besten sein, ist aber reines Konsumieren, man ist nicht mittendrin.
Mitreisende vom Schiff hatten noch einen Ausflug ins Tigre Delta gemacht und waren total begeistert.
Man kann in Buenos Aires vieles zu Fuß machen, oder man fährt ganz bequem mit der U-Bahn. Beim Hotel sollte man sich überlegen, ob es lieber in der Innenstadt oder am neuen, modernen Hafenviertel Puerto Madero sein soll, oder aber in den jüngeren Stadtteilen Palermo, Palermo Hollywood oder Palermo Soho.

 

 

 

Mein Fazit: Ich muss da nochmal hin. Dann aber mit Bus oder Mietwagen, viel Zeit zum Wandern in den Nationalparks von Patagonien, und einer kleinen Kreuzfahrt, die mich noch näher an die Gletscher und auf die Inseln bringt. Auch die Pampas von Argentinien und die Atacama Wüste in Chile stehen noch oben auf der Wunschliste.

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