Marrakeschs Gärten

Marrakeschs magische Gärten

Menschen, Händler, Mofas, Gehupe, Getümmel – Marrakesch ist so geschäftig wie bunt und vielfältig. Da braucht es manchmal etwas Erholung, einen Ort zum Abschalten. Das geht am besten in einem der zahlreichen Gärten der Metropole. Hier findet ihr kühlen Schatten unter paradiesischen Palmen und könnt euch von Lavendel- und Rosmarinduft betören lassen. Ich habe zusammen mit zwei Kolleginnen die magischen Anlagen in und um Marrakesch besucht und teile hier mit euch unsere Eindrücke.

Wer Marrakesch hört, denkt unweigerlich an Bilder aus 1001 Nacht. Vor allem die engen Gassen der Medina sind voller Menschen, Lichter, bunter Stoffe und orientalischer Souvenirs. Euch steigt der Duft von Gewürzen und Weihrauch in die Nase. Die Riads der „roten Stadt“ laden zum Staunen ein. Immer wieder drängen sich Eselskarren und Mofas durch die Reihen. Getümmel, wohin man sieht! Doch Marrakesch bietet dank seiner vielen Gärten auch Oasen der Ruhe.

Jardin Majorelle: Ein Ort der Inspiration

Der berühmteste Garten Marrakeschs, der Jardin Majorelle, wird heute hauptsächlich mit dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent in Verbindung gebracht. Doch geschaffen hat ihn der französische Maler Jacques Majorelle (1886 – 1962), der, verzaubert vom Flair der Stadt, dort ein Grundstück erstand. Majorelle engagierte den Architekten Paul Sinoir, der ihm auf dem Grundstück ein Atelier im Art-Deco-Stil errichtete. Dessen Wände wurden im unverwechselbaren „Majorelle-Blau“ gestrichen und bieten noch heute eine unschlagbare Kulisse für faszinierende Erinnerungsfotos. Drumherum wachsen exotische Pflanzen, worunter sich auch seltene Exemplare finden. Die brachte Majorelle von seinen Reisen rund um die ganze Welt mit.

Jardin Majorelle

Eine traumhafte Umgebung für viele schöne Fotos – das musste ich natürlich ausnutzen.

Der Künstler machte seinen Garten schon im Jahr 1947 für die Öffentlichkeit zugänglich, um diese Oase der Inspiration mit anderen zu teilen. Doch nach seinem Tod im Jahr 1962 blieb der Jardin Majorelle verlassen. Erst 18 Jahre später erwarben ihn Yves Saint Laurent und Pierre Bergé, erkannten seine Schönheit und investierten in seine Restauration. Neue Pflanzen schlossen entstandene Lücken und das Atelier wurde zum Museum für Berberkultur umgestaltet. Nach Yves Saint Laurents Tod im Jahr 2008 schenkte Pierre Bergé den Garten seiner Stiftung, woraufhin die Stiftung „Jardin Majorelle“ gegründet wurde. Ein Denkmal erinnert noch heute an den französischen Modedesigner.

Jardin Majorelle, Denkmal Yves Saint Laurent

Das unverwechselbare „Majorelle-Blau“ findet sich überall. Im Garten findet ihr außerdem ein Denkmal zu Ehren Yves Saint Laurents.

Von seiner Anziehungskraft hat der Jardin Majorelle im Laufe der Zeit nichts eingebüßt. Auch heute noch strömen Besucher aus aller Welt hinein und bestaunen die Artenvielfalt. Das bringt einen kleinen Nachteil mit sich, den auch wir bei unserem Besuch feststellen mussten: Es kann mitunter sehr voll werden. Deshalb empfehlen wir euch, möglichst früh am Morgen vorbeizusehen, dann ist weniger los. Das gilt auch meistens für den Nachmittag, wenn ihr eine Stunde vor Schließung dort seid. Achtung: Viel später dürft ihr aber nicht ankommen, da sonst kein Einlass mehr gewährt wird.

Öffnungszeiten:


1. Oktober bis 30. April: 8 bis 17.30 UhrJardin Majorelle, Kakteen


1. Mai bis 30. September: 8 bis 18 Uhr


Ramadan: 9 bis 17 Uhr


 


Preise:


Jardin Majorelle: 70 Dirham (etwa 7 Euro)


Berbermuseum: 30 Dirham (etwa 3 Euro)


Yves Saint Laurent Museum: 100 Dirham (etwa 10 Euro)


Kombi-Ticket: 180 Dirham (etwa 18 Euro)


Kinder bis 12 Jahre: gratis

ANIMA: Das Paradies von André Heller

Außerhalb von Marrakesch wartet eine weitere Perle auf euch: Der Garten ANIMA erstreckt sich auf drei Hektar im Ourika-Tal fast 30 Kilometer vor den Toren der Stadt und ist viel mehr als eine  Sammlung von Pflanzen. Der österreichische Universalkünstler André Heller kreierte den Garten als botanische Inszenierung. Zwischen exotischen Palmen, duftenden Blumen und stacheligen Kakteen wurden Kunstwerke aller Art in die Landschaft integriert. Schattige Wege führen euch durch den ANIMA Garten, vorbei an aromatischen Lavendel- und Rosmarinhecken. Ihr könnt euch auf Bänken oder sogar in Hängematten ausruhen und einfach nur dem Wind und den Vögeln lauschen. Nehmt euch hierfür einige Minuten Zeit – ihr werdet direkt merken, wie ihr innerlich zur Ruhe kommt. Die Atmosphäre ist fast schon magisch.

ANIMA, Marrakesch

Umgeben von einem Rosengarten lauscht ihr hier dem Plätschern eines Brunnens.

Mein persönliches Highlight war ein etwa drei Meter hohes buntes Gesicht, aus dessen Mund alle paar Sekunden ein feiner Wasserstrahl schoss. Von Weitem sah es aus, als würde er Dampf ausstoßen. Und wenn ihr euch so wie ich vor den Mund stellt, dann bekommt ihr gleich noch eine tolle Erfrischung vor allem an heißen marokkanischen Tagen. Herrlich war auch der Ausblick, der sich mir an erhöhten Stellen des Gartens bot: Hier genießt ihr einen berauschenden Blick aufs Atlasgebirge. Jede Pflanze, jedes Kunstwerk verschmilzt mit der Umgebung, nichts wirkt bewusst platziert. Ich kann euch nur raten, alle paar Schritte stehen zu bleiben und euch umzusehen – sonst verpasst ihr noch etwas!

ANIMA Marrakesch, Steinkreise
ANIMA Marrakesch, Büste
ANIMA Marrakesch, Spiegelhaus
ANIMA Marrakesch, Kaktusgarten
ANIMA Marrakesch, Bambuswald
ANIMA Marrakesch, Kaktus

 

Ihr wollt unbedingt auch in diese fantasievolle Welt eintauchen, habt aber keine Möglichkeit, selbst zum ANIMA Garten zu fahren? Kein Problem, denn von September bis Juni wird ein kostenloser Shuttle zur Verfügung gestellt. Ihr müsst euch dazu nur hier anmelden. Der Shuttle fährt dann am Parkplatz hinter der Koutoubia-Moschee ab. Bringt aber unbedingt das ausgedruckte Ticket mit. Die Rückfahrt ist natürlich inklusive.

Die Mitarbeiter im Café des ANIMA verrieten uns, dass meistens vormittags mehr los ist. Wir hingegen hatten den Garten am späten Nachmittag fast für uns alleine. Achtet auch hier darauf, spätestens eine Stunde vor Schließung anzukommen, ansonsten wird euch kein Einlass mehr gewährt.

ANIMA, Marrakesch, RosenblütenÖffnungszeiten:


Sommer (etwa Mai bis Oktober): 9 bis 18 Uhr


Winter (etwa November bis April): 9 bis 17 Uhr


Ramadan: 9 bis 15 Uhr


 


Preise:


Erwachsene: 120 Dirham (etwa 12 Euro)


Kinder (12 bis 16 Jahre): 60 Dirham Euro


Kinder bis 11 Jahre: gratis

Jardin Secret: Marrakeschs grünes Geheimnis

Einer der schönsten Gärten findet sich mitten in der Medina von Marrakesch. Der Jardin Secret wurde erst im Jahr 2016 für die Öffentlichkeit geöffnet – doch seine Geschichte reicht weit zurück in die Zeit der Saadier-Dynastie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das Besondere am Jardin Secret ist, dass es sich hierbei um eine Ausgrabungsstätte handelt. An dieser Stelle stand früher nämlich ein Palast, der im Laufe der Zeit zuerst zerstört, dann wieder aufgebaut und schließlich zu einem Herrenhaus umgestaltet wurde. Immer wieder stoßt ihr auf Glasscheiben im Boden, die zeigen, was früher einmal an dieser Stelle war.

Inmitten des riesigen Riads finden sich zwei durch eine schmale Passage verbundene Innenhöfe mit thematisch vollkommen unterschiedlich gestalteten Gärten. Nach Betreten der Anlage gelangen wir zunächst in den exotischen Garten, der seltene Pflanzenarten aus aller Welt beherbergt. Ein Meer aus prächtigen Blüten erwartet uns hier. Außerdem gibt es in diesem Abschnitt zwei Teiche, die durch einen schmalen Wasserlauf miteinander verbunden sind. Jene sind gleichzeitig das Zuhause von Wasserschildkröten, die sich sonnen und die freudigen Menschen um sie herum geflissentlich ignorieren. Die Wasserwege in beiden Gärten stammen aus dem 19. Jahrhundert und dienen nicht nur der Unterteilung des Innenhofs oder der Verbindung mehrerer Wasserquellen, sondern gleichzeitig auch der Bewässerung der Beete.

Jardin Secret, Marrakesch

Im ersten Teil des Jardin Secret finden sich viele exotische Pflanzen.

Im zweiten Abschnitt betreten wir eine ganz andere Welt. Der nach islamischen Regeln gestaltete Garten ist in vier Quadranten unterteilt. Er steht damit ganz in der Tradition des Gartenbaus im Mittleren Osten, dessen Ziel es war, das himmlische Paradies, wie es im Koran überliefert wird, auf Erden darzustellen. Oliven- und Zitrusbäume, Rosmarin und Lavendel dominieren die Quader. Highlight des islamischen Gartens ist aber der zauberhafte Pavillon im Zentrum samt plätscherndem Brunnen, der auch diesen Garten mit Wasser versorgt. Gelegenheiten zum Sitzen und Lauschen habt ihr hier viele. Nehmt euch daher die Zeit und taucht ein in dieses irdische Paradies.

Jardin Secret, Marrakesch

Hier verzaubern euch Olivenbäume und duftender Lavendel.

Letztmöglicher Einlass in den Jardin Secret ist übrigens eine halbe Stunde vor Schließung.

Öffnungszeiten:


Jardin Secret, Marrakesch, SchildkröteFebruar, März und Oktober: 9 bis 18.30 Uhr


April bis September: 9.30 bis 17.30 Uhr


November bis Januar: 9.30 bis 17.30 Uhr


 


Preise:


Erwachsene: 50 Dirham (etwa 5 Euro)


Kinder (6 bis 18 Jahre), Studenten (18 bis 24 Jahre): 30 Dirham (etwa 3 Euro)


Kinder bis 6 Jahre: gratis


Führung: 30 Dirham (etwa 3 Euro) – ermäßigt 20 Dirham (etwa 2 Euro)


Gruppen ab 20 Personen: 40 Dirham / p.P. (etwa 4 Euro / p.P.)

Ihr wollt die magischen Gärten mit eigenen Augen sehen? Dann hier entlang zu unseren Städtetrips nach Marrakesch!

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