Reisebericht: Kolumbien auf eigene Faust entdecken

In den vergangenen Jahrzehnten schien es wegen der politischen Lage unmöglich Kolumbien selbstständig mit dem Auto zu bereisen. Diese Zeiten sind nun zum Glück vorbei und man kann dieses faszinierende Land bestens mit dem Wagen erkunden. Ich bin mit dem Auto einmal quer durch Kolumbien gereist und war begeistert von den sich ändernden Landschaften und Klimazonen. Von den schneebedeckten Andengipfeln im Los Nevados Nationalpark bis zum karibischen Palmenstrand im Tayrona Nationalpark, jagt ein Highlight das nächste.

Von Ecuador über Popayán nach Cali 

Meine Reise durch Kolumbien startete mit dem Grenzübertritt von Ecuador und gleich nach der Grenze befindet sich eins der bei den Kolumbianern selbst sehr beliebten Ausflugsziele: die Kirche Santuario de las Lajas. Die Kirche selbst sieht für uns Europäer ungewohnt modern aus und man mag von ihr halten was man möchte, aber die Lage ist zweifellos einzigartig und sehr fotogen.

 

Las lejas, Kolumbien
San Augustin, Kolumbien
künstlerisch gestaltete Hauwand in Cali

 

Weiter ging es über Pasto nach Popayán, eine hübsche Stadt im Kolonialstil, die zwar touristisch ist, aber bei weitem nicht so populär wie Cartagena, was es angenehm macht durch die Straßen zu schlendern und die Stadt für sich zu entdecken. Von Popayán aus plante ich einen Besuch der Steinskulpturen von San Augustin, was auf der Karte wie ein Katzensprung aussieht. Ein Teil der Strecke ist allerdings nicht asphaltiert und die Schotterstraße hat es in sich. Die mystischen und ein bisschen verrückten Steinskulpturen von San Augustin sind die holprige Reise aber allemal wert, jede hat ihren eigenen Platz im Wald oder auf einer Lichtung des großzügigen Skulpturenparks. Man weiß bis heute nicht besonders viel über die Kultur, die sie gemacht hat, sicher scheint allerdings zu sein, dass sie uralt sind (in den Jahrhunderten um Christi Geburt). Nach San Augustin fuhr ich zurück über den Parque Nacional Puracé nach Popayán. Im Nationalpark wollte ich Kondore sehen, die dort mit Futter angelockt werden. An diesem Tag hatten sie aber offensichtlich besseres vor.

Weiter ging es nach Cali, die Salsa-Hauptstadt. Mich interessierte allerdings vor allem die Streetart-Kultur im ansonsten wenig touristischen Cali. Der Straßenverkehr ist ziemlich dicht, man muss mit Staus rechnen.

Valle de Cocora und das „Reserva de las Aves Loros Andinos“

Von Cali ging es weiter ins für seine Wachspalmen (Kolumbiens Nationalbaum) bekannte Valle de Cocora. Die für das menschliche Auge so schön ausschauenden bis zu 60 Meter hohen Wachspalmen sind leider nur das Überbleibsel des einst dort stehenden Nebelwaldes. Man kann einen tagesfüllenden Rundweg nehmen, der einen auch durch noch intakten Nebelwald führt. Das Wetter ist oft regnerisch und – wer hätte es gedacht  – neblig und der Weg ist dementsprechend schlammig. Am besten Gummistiefel mieten oder mitnehmen. Es ist ein toller Ort um alle möglichen Vögel wie Kolibris, Motmots und Tukane  zu sehen, auch Coatis (Nasenbären) kann man mit Glück zu Gesicht bekommen.

Valle de Cocora
Gelbohrsittich in Kolumbien

 

Mein nächstes Ziel ist nicht touristisch, aber wichtig. Die kolumbianische Organisation Pro Aves hat im ganzen Land Schutzgebiete geschaffen, um bedrohte Tiere und Lebensräume zu erhalten. Ein Solcher ist das „Reserva de las Aves Loros Andinos“, das den einzigartigen Páramo-Lebensraum schützt, der durch eine einzigartige Flora und Fauna gekennzeichnet ist. Das Schutzgebiet und die gesamte Organisation verdient jede mögliche Unterstützung! Der Gelbohrsittich und mit ihm die schon bekannte und für ihn so wichtige Wachspalme sind die Schlüsselspezies des Schutzgebiets. Dank des Reservats und den Kampagnen von Pro Aves konnte der hübsche Papagei vom Aussterben bewahrt werden. Nebenbei ist er ziemlich fotogen und überhaupt nicht scheu. Für Naturliebhaber sicherlich ein Highlight. Der Weg dorthin ist allerdings beschwerlich und führt über Schotterstraßen, ein Auto mit 4×4-Antrieb ist notwendig. In den umliegenden Dörfern selber wird man schnell selbst zur Attraktion, ausländische Touristen hat man hier noch nicht gesehen – die Gegend war lange eine Hochburg der FARC, ist nun aber sicher.

Die Hauptstadt Bogotá und Medellín

Vom einsamen Schutzgebiet in die Großstadt! Bogotá liegt zwar ziemlich abseits der Panamericana, ich wollte die Hauptstadt Kolumbiens aber auf keinen Fall verpassen. Wer Kolumbien mit tropischen Temperaturen verbindet, könnte hier eines besseren belehrt werden. Bogotá liegt auf 2.600 Metern und ist damit nicht so hochgelegen wie andere Hauptstädte Südamerikas, aber auch nicht vergleichbar mit dem karibischen Klima der Nordküste. Die Stadt besticht für mich vor allem mit Streetart und ihren freundlichen Einwohnern. Wer Streetart mag, wird Bogotá lieben. Neben Buenos Aires, Rio, Sao Paulo und Valparaíso ist Bogotá sicherlich eine der Hochburgen für die Kunst mit der Spraydose. Es gibt sogar eine eigene und kompetente Streetart-Tour. Mit dem Auto ist Bogota etwas mühselig, da viel Verkehr herrscht und man die „Pico y Placa-Regelung“ beachten muss, welche anhand der Nummernschilder regelt, wer an welchem Tag im Berufsverkehr unterwegs sein darf.

Kunst auf einer Hauswand in Bogota

Auf in die nächste der kolumbianischen Großstädte! Der Weg von Bogotá nach Medellín ist lang. Ich war langes Fahren gewöhnt, aber die Kurven den Berg hoch und runter und immer hinter einem Lastwagen auf die nächste Möglichkeit zum Überholen wartend, ist sehr ermüdend. Andererseits fährt man eine ziemlich lange Strecke auf einen brandneuen Autobahn, die dereinst Bogotá mit Santa Marta verbinden soll. Medellín selber wird die Stadt des ewigen Frühlings genannt und ist berühmt berüchtigt aus der Serie Narcos. Von der Escobar-Vergangenheit spürt man im heutigen Medellín aber wenig, es ist eine fröhliche und lebendige Stadt. Man kann die Seilbahn (Teleférico) nutzen um einen Überblick über die Stadt im Tal zu bekommen oder aber die Cumona 13 besuchen, ein mittlerweile sicheres Armenviertel, dass sehr stolz auf seine Entwicklung ist. Was sich auch anbietet ist ein Ausflug zum Peñon de Guatapé, ein grosser Felsen, auf den eine Treppe führt und von dem man einen fantastischen Ausblick über die Gegend mit ihren vielen Seen und Inseln hat.

Guatape in Kolumbien

Cartagena und der Tayrona-Nationalpark

Ab Medellín ging es für mich direkt an die Karibikküste nach Cartagena, wo ich die Verschiffung meines Autos nach Panama organisieren musste. Cartagena selber ist wahrscheinlich eine der schönsten kolonialen Städte Lateinamerikas, aber auch eine der touristischsten – beides gilt nur für die Gegend innerhalb der Stadtmauern. Cartagena, wie auch die anderen Städte des Nordes sind anders als die Binnenstädte – man spürt das karibische Flair, die Hitze und den afrikanischen Einfluss der ehemals als Sklaven hierher Verschifften. Wenn man durch die Innenstadt von Cartagena schlendert und sich eine geschnittene Mango gönnt ist das Leben einfach schön (vor allem wenn man die Verschiffung seines Autos unter Dach und Fach gebracht hat).

„Was die Reisenden mit denen ich mich unterhalten habe allerdings am meisten an Kolumbien schätzen, sind seine fröhlichen und freundlichen Einwohner. Nach all den Jahren ohne Touristen sind die Kolumbianer unverbraucht und extrem stolz auf die Fortschritte und Schönheiten ihres Landes. Daran lassen sie Besucher anderer Länder gerne teilhaben und geben ihr Möglichstes einem weiterzuhelfen“

Da ich noch ein paar Tage übrig hatte, beschloss ich dem bekannten Tayrona-Nationalpark einen Besuch abzustatten. Der Park kann nur zu Fuss besucht werden und man kann auf den Campingplätzen gleich beim Strand Zelte mieten. Der Park hat mit Kokospalmen gesäumte Traumstrände vorzuweisen und kann sich hier auch mit Costa Rica messen. Achtung! Im Januar haben die Kolumbianer Urlaub und es wird relativ voll, um Februar ist der Park wegen den Zeremonien der Indigenen Bevölkerung geschlossen.

Strand Tayrona

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich das Abenteuer Kolumbien auf jeden Fall lohnt und man so viel Zeit wie möglich mitbringen sollte, da es viel zu sehen gibt und es die Distanzen im hügligen Land durchaus in sich haben.

 

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