Reisebericht Indien – Auf Entdeckungsreise von Bangalore nach Dehli

Um Indien kennenzulernen, reicht es nicht, eine einzelne Stadt zu besichtigen. Goldene Tempel, unbekannte Düfte und bunt geschmückte Kühe, die den Verkehr lahmlegen. Auf dem Weg von Bangalore in die Hauptstadt Neu Delhi begegneten mir viel Kuriositäten. Ich nehme euch mit auf meine Reise und stelle euch meine Highlights. 

Von Bangalore nach Puttur: Hightech-City und Maharadscha-Paläste

In Bengaluru, wie die Stadt seit 2014 offiziell heißt, setze ich meine Füße zum ersten Mal auf indischen Boden. Die fünf Millionen-Metropole ist Indiens IT-Hauptstadt und wird von Reisenden gerne übergangen. Die großen touristischen Highlights fehlen, für den ersten Eindruck in den indischen Alltag allerdings genau richtig. Mit „not spicey, please“, bestelle ich mein erstes Essen. Selbst die kleinste Garküche serviert den Reis und die verschiedenen Soßen auf einem Silbertablett. Ich setze mich auf die linke Hand, um ja nicht in Versuchung zu geraten diese aus Versehen auf den Tisch zu legen, denn das wäre eine große Unsitte. Die Linke ist für die Toilette bestimmt, die Rechte für den Rest des Lebens. Noch erscheint es schwierig, Reis und Soße mit der Hand Richtung Mund zu führen, doch einen Monat später werde ich das Essen mit Gabel und Messer als umständlich empfinden. Der wilde Straßenverkehr aus Bussen, Limousinen, unzähligen Tuck-Tucks, Kühen und beladenen Fahrrädern ist faszinierend und beängstigend zugleich.

Verkehr in Bagalore

Der Kulturschock ist groß. Alles ist schrill und bunt. Am nächsten Tag geht’s für mich mit dem Bus weiter in das für indische Verhältnisse beschaulich anmutende Mysuru (Mysore) – die Stadt hat immerhin „nur“ knapp 1 Mio. Einwohner. 

Rund 3 Stunden fährt der klapprige Bus durch Palmenwälder und kleine Ortschaften, bis wir Mysuru mit dem imposanten Maharadschapalast erreichen, der der Stadt zu einiger Berühmtheit verholfen hat. Nachts leuchtet der um 1900 erbaute Palast mit dem Namen Amba Vilas mit den Sternen um die Wette. Am Tag können auch die prächtigen Innenräume besichtigt werden. Einzelne Zimmer des ehemaligen Königshauses werden noch von Nachfahren des Maharadschas bewohnt. Direkt neben dem Palast findet ihr einen gut erhaltenen, pyramidenförmigen Hindutempel, vor dem häufig geschmückte Kühe auf eine Segnung warten.

Mysore

Ich will Indien noch weiter abseits der ausgetretenen Pfade kennenlernen und fahre nach Puttur. Eingebettet zwischen Hügeln liegt eine Kleinstadt, von den Häusern und Reklametafeln blättert die Farbe, Frauen tragen bunte Saris und ich treffe meinen Bruder bei seiner Arbeit im Kinderheim an. Auch ich schlafe auf Bastmatten, esse Reis zum Frühstück, zum Mittag, zum Abendbrot. Rund 30 Waisen oder arme Kinder leben hier zusammen mit einer Köchin und dem Heimleiter. Ich entdecke einen roten, pelzigen Wurm auf meinem Rucksack und will ihn mit einer Handbewegung wegwischen. „Stop!“, ruft ein vielleicht 10-jähriger Junge, der barfuß über Schotter zu mir rennt. Wer den Wurm anfasst, laufe Gefahr, dass er Eier in kleine Wunden legt. Ihr solltet in Indien keine Tiere anfassen, seien es Spinnen, Hunde oder Kühe. Auch beim Essen gilt für uns Europäer, dass unsere Bakterienflora nicht auf indische Nahrung eingestellt ist. Daher lautet die Devise: „Cook it, peel it or forget it (Koche es, schäle es oder vergiss es)

Von Gokarna nach Mumbai: Strandidylle und Wolkenkratzer

Sandstrand, Palmen, bunte Holzhäuser und geschmückte Kälber, die neben meinem Handtuch am Strand faulenzen. Der sonnige Wallfahrtsort Gokarna ist bei indischen und internationalen Gästen gleich beliebt. Der Sage nach wurde der Sonnengott Shiva hier aus dem Ohr einer Kuh geboren. Vögel zwitschern und eine frische Brise weht. Es ist kein Problem, sich als Frau in die Fluten zu stürzen – doch solltet ihr ein langes T-Shirt tragen. Der Ort selbst nimmt euch mit auf eine Zeitreise. Frauen waschen ihre Haare im Fluss und in kleinen Werkstätten sitzen Männer an alten Nähmaschinen, wie sie einige von uns noch aus Großmutters Zeiten besitzen.

Tiefenentspannt nehme ich nach einigen Tagen den Nachtbus in die Ruinenstadt Hampi. Es sei nur so viel gesagt: In Indien solltet ihr nicht an Nachtbussen sparen und lieber etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. Die Fahrt in dem überbuchten, ruckelndem Bus mit einem eventuell übermüdeten Fahrer durch das nächtliche Indien ist kein Spaß. Am Morgen erreichen wir die historischen Tempelruinen, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Die Jugendlichen des zugehörigen Dorfes schiffen uns mit kleinen runden Booten wie Nussschalen über den Fluss Tungabhadra. Im Morgennebel wirkt die Landschaft aus Reisfeldern und riesigen roten Granitblöcken surreal. Im Tempel am Ufer werden jeden Morgen um 10 Uhr zwei Elefanten rituell im Fluss gewaschen. Mit einer kleinen Spende könnt ihr selbst die Dickhäuter abbürsten. Um 1600 schlugen muslimische Krieger die Hindus der damaligen Königsstadt in die Flucht. Zurück blieb ein rund 26 km² großes Areal voller Granittempel mit aufwendigen Verzierungen. Mit etwas Glück könnt ihr sogar eine indische Hochzeit hautnah miterleben, denn die heiligen Stätten sind bei Paaren aus der Region beliebt.

Blick auf Mumbai

Dieses Mal investierten wir rund 10€ mehr und nahmen einen komfortablen Nachtbus in die Stadt der Gegensätzlichkeiten: nach Mumbai. Im Zentrum findet ihr die prächtigsten Bauten aus der Kolonialzeit, zum Beispiel die Universität, das Gericht und das Bahnhofsgebäude, das englische und indische Architektur verbindet und zum Welterbe gehört. In den vielen Parks spielt der Nachwuchs Cricket oder trifft sich mit Freunden am Abend am Chowpatty Beach. Nirgendwo liegen Armut und Reichtum so nah beieinander. Die Bewohner der Wolkenkratzer blicken von ihren Balkonen auf die zahlreichen Slums mitten in der Stadt. Mumbai ist gleichermaßen Heimat unzähliger Straßenkinder und der reichsten Männer der Welt, deren Geschäftsfreunde gerne im für seine prunkvolle Fassade bekanntem Hotel „Taj Palace“ absteigen.

Von Jaipur nach Delhi: Affentempel und Indiens größter Schatz

Etwa 1.000 km nördlich liegt Jaipur, „die pinke Stadt“. Eigentlich ist sie eher terrakottafarben. Orientalisch-indische Architektur in rot-weiß, Elefanten und beladene Kamele prägen das Stadtbild. Über der Stadt thront Fort Amber. Eine jahrhundertealte Festung, in deren Innenhof Männer frische Blüten sortieren, um den Gebetsschmuck an die Besucher zu verkaufen. Auch ein Besuch des Affentempels auf einem Hügel etwas außerhalb der Stadt lohnt sich. Während die frechen Tiere in den Baumwipfeln turnen, habt ihr einen umwerfenden Blick auf die zahlreichen Dachterrassen der Stadt.

Tempel in Jaipur

Rund 300 km nördlich steht das berühmteste Bauwerk Indiens. Die überwältigende Schönheit des Tempels Taj Mahal aus weißem Marmor kann in Fotos kaum widergespiegelt werden. Es lohnt sich früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang über den glänzenden Kuppeln zu erleben. Ein Großmogul errichte das Mausoleum um 1600 für seine verstorbene Frau.

Wahrzeichen in Indien: Taj Mahal

Nur 1 Stunde dauert die Weiterfahrt bis in die Hauptstadt Neu Delhi. Unbedingt sehen solltet ihr die einheimischen Gewürzmärkte, die edlen Sikh-Tempel, wie den Gurudbara Bangla Sahib, die rote Moschee und den modernen Connaught Place.

Wer Lust auf Abenteur und eine komplett andere Kultur hat, dem kann ich Indien nur ans Herz legen -Es war definitiv nicht meine letzte Reise in das wunderschöne Land!

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