Lumphini-Park in Bangkok

Morgens in Bangkok: Im Walzerschritt durch den Lumphini-Park

In Thailand solltet ihr flexibel sein, denn meistens erlebt ihr etwas ganz anderes als geplant. Das muss kein Nachteil sein, im Gegenteil: Meine eindrucksvollste Erinnerung an Südostasien – der frühmorgendliche Besuch des Lumphini-Parks im Herzen von Bangkok – hätte ich mir vor Reiseantritt nicht ausmalen können. Seht selbst!

Bereits um fünf Uhr quälen eine Freundin und ich uns aus dem luxuriösen King-Size-Bett im Stadtzentrum von Bangkok. Wenig später stehen wir an der Rezeption und fragen nach unserem Bus. Die Thailänderin hinter der Rezeption lächelt munter. Im Gegensatz zu uns wirkt sie völlig ausgeschlafen. Auf die Frage, ob denn der Bus zu den schwimmenden Märkten schon da sei, lächelte sie und nickt in Richtung Frühstückssaal.  Nur allzu zu gern folge ich dem Geruch von frisch gebratenem Speck, Pancakes und Kaffee.

Ein kaiserliches Frühstück in unserem Hotelpalast

Dank eines günstigen Wechselkurses Euro-Baht können wir uns in Bangkok eine Unterkunft leisten, die einem europäischen Grandhotel gleicht. In der Hotellobby glänzen goldene Buddhafiguren, Wasserspiele plätschern aus marmornen Brunnen und im Hintergrund steht ein Flügel, an dem ein Pianist die schönsten Melodien spielt – bereits um 5:30 Uhr wohlgemerkt! Im Frühstückssaal empfängt uns ein opulentes, interkontinentales Buffet vom Feinsten. Hier gibt es alles, was das Schlemmerherz begehrt.

Von thailändischen Eierreis über japanische Misosuppe bis zu exotischen Obstplatten. Das klassisch englische Breakfast mit Würstchen, Speck, Eiern und gebratenen Tomaten entdecken wir ebenfalls. Trotz der frühen Stunde werden wir lächelnd bedient.

Ein paar Gäste verlassen bereits den Saal, während wir uns mit unseren beladenen Tellern hinsetzen. „Ich wette, die fahren jetzt mit dem Bus zu den schwimmenden Märkten“, befürchtet meine Freundin. Damit sollte sie leider auch Recht haben. Als wir erneut an der Rezeption nach dem Bus gefragt haben, bekamen wir die Info, dass dieser bereits abgefahren ist. Nun waren wir allerdings zu wach und zu satt, um wieder ins kuschelige Bett zu schlüpfen.

In der Lobby hat sich ein Tuk-Tuk Fahrer zu uns gesellt und angeboten uns zum Lumphini-Park zu fahren: „Great and nice place. Like Central Park New York“ Warum eigentlich nicht!

Mit Chauffeur zu Bangkoks „grünster“ Sehenswürdigkeit: Lumphini-Park

Kaum treten wir nach draußen, umhüllt uns die schwüle Großstadtluft, die wir im klimatisierten Inneren des Hotels bereits vergessen hatten. Unser Fahrer heißt Lee und statt in die Limousine, steigen wir in ein Tuk Tuk ein. Ehe wir uns beschweren können, brausen wir bereits im halsbrecherischen Tempo durch die erwachende südostasiatische Metropole auf Bangkoks grüne Lunge zu.

Meine Freundin klammert sich an mir fest und ich genieße den warmen Fahrtwind auf meiner Haut. Wenig später drosselt unser Fahrer das Tempo und wir fahren langsam an einer nicht enden wollenden Mauer entlang. Auf einem kleinen Parkplatz halten wir. „Go, go“, befiehlt uns unser Chauffeur und schiebt uns weg.

Er will kein Geld, nur das wir gehen und das möglichst schnell, als gäbe es etwas zu verpassen. Dann lehnt er sich zurück, verschränkt seine Arme hinter seinem Kopf und schließt die Augen. Wie es aussieht, wird Lee auf uns warten.

Verkehr in Bangkok

Hinter der Mauer ist es deutlich kühler und die Luft frischer. Kein Smog scheint durch das tropische Blätterwerk zu dringen. Wir betreten eine Oase aus Palmen, Orchideen und satten grünen Wiesen.

Zu unserer Überraschung sehen wir überall Einheimische. Es sind so viele, dass es in diesem Park eigentlich laut sein müsste, doch stattdessen hören wir ein für unsere Ohren fremdes Vogelgezwitscher und eine leise Melodie. Auf einem See plätschert eine Fontäne.

Lumphini-Park

Langsam schlendern wir durch den Park und lassen unsere Blicke schweifen. Auf einem grünen Feld zu unserer Linken üben Männer und Frauen Thai Chi. Ihre langsamen, eleganten Bewegungen verzaubern uns. Zu unserer Rechten wirbeln zwei dunkelgekleidete Schwertkämpfer hockkonzentriert ihre Säbel durch die Luft. An den Griffen ihrer scharfen Klingen wehen rote Tücher, die wie Blutsfahnen durch die Luft schneiden.

Wir verharren staunend und ein wenig ungläubig, während wir von einer Gruppe Jogger fast überrannt werden. In der traditionellen Umgebung von Schwertkämpfen und Thai Chi wirken sie in ihren modernen Sportoutfits wie Außerirdische. Doch gerade dieser Kontrast aus Tradition und Moderne macht den Reiz Bangkoks aus.

Morgensport im Lumphini-Park

In der Großstadt konkurrieren allerorts Tempel, Buddhas, Königspaläste mit futuristischen Shoppingmalls und Bürokomplexen. Auf der Straße fahren Tuk Tuks und über den Köpfen der Menschen brausen die modernen Skytrains. Bunte Holzboote liegen neben Luxusjachten in den Häfen und an den Kanälen des Venedigs des Ostens stehen traditionelle Pfahlbauten.

Mit jedem Schritt im Lumphini-Park erahnen wir, dass Lee recht hat. Vor der Kulisse der aufragenden Wolkenkratzer erinnert diese grüne Oase tatsächlich ein wenig an den New Yorker Central Park. Wir befinden uns mitten in Bangkok in einer der größten und grünsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Das Gelände im Bezirk Pathum Wan ist 576.000 Quadratmeter groß und umfasst unter anderem einen 2,5 Kilometer langen Trimm-dich-Pfad mit Hanteln und Hindernissen. Wir kommen an einem Open-Air-Fitnesscenter vorbei, in dem ältere Herren fleißig Gewichte stemmen. Wenn wir ein Foto machen, lächeln sie. Wenig später beobachten wir ein Bootcamp. Zu modernen Rhythmen bewegen sich hunderte Jugendliche in der gleichen Kleidung auf und ab.

Wir folgen nun der feierlichen Melodie, die wir bereits beim Eintritt in den Park gehört haben. Sie lockt meine Freundin und mich zu einer kleinen Pagode. Im Schatten des Holzdaches tanzen mehrere Paare zu den Liedern eines klassischen Quartetts. Fasziniert bleiben wir stehen bis, ja bis, uns die Tänzer zu sich winken. Eine zarte Dame nimmt mich an die Hand und zeigt mir die Schritte.

Meine Freundin wird vom größten Tänzer der Truppe unter seine Fittiche genommen. Trotzdem reicht er ihr nur bis zur Schulter. Mittlerweile ist es 7:30 Uhr; langsam beginnt es in der Metropole Bangkok zu brodeln. Die Menschen verlassen den Park und strömen in ihre gekühlten Büros. Wir bleiben und drehen uns mit den alten Herrschaften zu Walzermelodien. Ab und zu tanzen meine Freundin und ihr Partner an mir vorbei und ich sehe in ihr strahlendes Gesicht. Ich weiß, dass sie das Gleiche denkt wie ich: „Wie gut, dass wir den Bus verpasst haben.“

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