Hafen Oslo

Reisebericht Norwegen: Mein Sommerurlaub im hohen Norden

Mitte August. Haupturlaubszeit in Deutschland. Während die meisten Leute zu dieser Zeit wohl Ziele wie Italien, Portugal, Spanien etc. ansteuern stand ich an diesem Tag am Flughafenschalter für den Mittagsflug nach Oslo. Ich wusste selbst nicht so recht was mich erwartet aber eins konnte ich mit Sicherheit sagen: Es wird das Kontrastprogramm zu 24/7 in der Sonne liegen und Cocktails trinken.

Mit dem Flugzeug ging es direkt von München nach Oslo in rund 2 Stunden, also eine angenehme Flugdauer. Angekommen in Norwegen fuhr ich mit dem Zug und schließlich mit dem Bus weiter nach Åsgårdstrand. Auf der Fahrt dorthin konnte ich schon feststellen, dass alles was ich über die Natur in Norwegen bisher gehört und gelesen habe stimmt: Meer, Fjorde und unendliche Wälder begleiteten mich während der gesamten Fahrt.

Åsgårdstrand und Tønsberg – Skandinavisches Küstenflair

Åsgårdstrand ist ein kleiner Badeort am Oslo Fjord, ca. zwei Stunden entfernt von Oslo und mit einem wunderbaren skandinavischen Charme. Die bunten Häuser, wie man sie aus der Kinderserie „Michel aus Lönneberga“ kennt, waren wirklich überall und ließen mein Herz höher schlagen. Für all diejenigen, die Ausflüge in die Natur planen aber dennoch in Stadtnähe bleiben wollen, ist es hier perfekt. Die Kleinstadt ist unter anderem als Künstlerstadt berühmt und es gibt hier viele Künstlergalerien und Ateliers. Edvard Munch malte dort außerdem sein berühmtes Bild „Das Mädchen auf der Brücke“. Das Haus in dem er gewohnt hat ist nun ein Museum und es lohnt sich in jedem Fall einen Abstecher dorthin zu machen.
Wer sich sportlich betätigen will, ist an diesem Ort ebenfalls richtig . In der Umgebung von Åsgårdstrand gibt es sehr schöne Wander-und Radwege an der Küste entlang. Sowohl Fitnessjunkies, als auch Sportmuffel finden hier eine passende Route.

Tolle Aussicht in Tonsberg's Hafenviertel

20 Autominuten entfernt befindet sich Tønsberg, die nächste „größere“ Stadt. Einen Aufenthalt in Tønsberg sollte man unbedingt einplanen wenn man in der Gegend ist, da auch diese Stadt mit großer Angebotsvielfalt überrascht.  Ich kann jedem zu einem Spaziergang am „Brygga i Tønsberg“ – dem Hafenviertel raten, das vor allem im Sommer sehr lebendig ist. Bars und Restaurants laden zum Flanieren ein und auch einige Geschäfte gibt es dort. Wer sich gerne ins Nachtleben stürzt, findet hier ebenfalls ein ergiebiges Partyangebot. Unbedingt auf der To-Do-Liste stehen sollte hier auch eine Bootsfahrt. Von Tønsberg aus werden verschiedene Bootstouren angeboten, unter anderem eine Rundreise um den Nationalpark Færder. Der Park ist ein Eldorado für Naturliebhaber. Egal ob Angeln, Segeln, Radeln, Joggen, Spazieren oder Reiten – hier ist alles möglich. Der Nationalpark hat auch ein ansprechendes Besucherzentrum, das die Ausstellung „Am Rande des Meeres“ beherbergt. Sehr erlebnisorientiert wird hier das Leben im Nationalpark, sowohl über als auch unter Wasser dargestellt. Des Weiteren werden Führungen und geführte Wanderung angeboten.

Leuchtturm auf Faerder


Interessant zu wissen:


Euch wird in Norwegen schnell auffallen, dass die Sonne im Sommer wohl nie untergeht. Dieses Phänomen wird als Mitternachtssonne bezeichnet. Die Ursache liegt darin, dass das Land so nah am Nordpol liegt und der Einflusswinkel, in dem die Sonne auf die Erde trifft so fällt, dass die Sonne nur kurz hinter dem Horizont verschwindet und dann gleich wieder aufsteigt. Im Winter dagegen gibt es nur wenig Sonnenlicht in Norwegen und in manchen Regionen wird es gar nicht erst hell. Dafür könnt ihr in der dunklen Jahreszeit Polarlichter erleben. Es gibt übrigens noch weitere tolle Orte, an denen ihr Polarlichter sehen könnt.


Oslo – die grünste Hauptstadt der Welt

Auch wenn die Landschaft in Åsgårdstrand sowie Tønsberg wirklich unfassbar schön und das Leben hier richtig gemütlich ist, brauchte ich dann doch etwas mehr Leben und den Großstadtgeruch um mich herum. Ein Glück ist Oslo fast um’s Eck. Oslo ist wie viele andere Städte schnelllebig, touristisch, geschäftig und quirlig, sowie im Gegensatz zu anderen Städten aber auch wahnsinnig grün. Wusstet ihr, dass Oslo zu zwei Drittel von Wald und Wasser bedeckt ist? Ebenso gibt es dort 343 Seen und 40 Inseln. Um euch einen besseren Eindruck von der Stadt zu vermitteln habe ich nachstehend meine Top 3 Sehenswürdigkeiten aufgelistet:

Die eindrucksvolle Hafenpromenade in Oslo

Die neun Kilometer lange Hafenpromenade am Fjordufer von Oslo verbindet die Stadt von Ost nach West, wodurch man verschiedene Stadtviertel entdecken kann. Um die Orientierung nicht zu verlieren, weisen euch orangefarbige Türme den Weg, die unter anderem auch künstlerisch gestaltet sind. Ebenso findet man an den Türmen weitere Informationen zu Attraktionen in der Nähe. Auch kulinarisch kann man hier einiges entdecken. Empfehlenswerte Stopps auf der Promenade sind die Hafenviertel „Aker Brygge“ und das angrenzende, neu entstandene Viertel Tjuvholmen. Dort, so heißt es zumindest, findet man die besten Restaurants Oslos. Auch die Modeliebhaber/-innen unter euch kommen dort auf ihre Kosten, denn das Shopping Angebot ist super! Man muss aber beachten, dass Oslo beziehungsweise Norwegen ein ganz anderes Lohnniveau als Deutschland hat und die Preise daher leider ziemlich hoch sind.

Der Hafen in Oslo

 

Das Fram Polarschiffmuseum 

Die Fram war das stärkste Schiff der Welt und ist am weitesten in den Norden und auch in den Süden vorgedrungen. Sie wurde von Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto-Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) bei ihren berühmten Polarexpeditionen  eingesetzt. Normalerweise bin ich kein Museum Fan aber dieses hat mich eines besseren belehrt. Das Schiff ist ansprechend ausgestellt und begehbar, sowie die Geschichte dazu lebendig dargestellt. Ich persönlich würde sofort wieder hingehen.

Der Berg Holmenkollen in Nordwesten Oslos

Der Holmenkollen ist ein 371 Meter hoher Berg nordwestlich der Stadt – mit den öffentlichen Verkehrsmitten aber perfekt zu erreichen. Dieser Platz ist definitiv ein MUSS für jeden Wintersportfan, aber auch wenn man sich mit Wintersport nicht so sehr identifizieren kann ist ein Besuch auf jeden Fall empfehlenswert. Man kann von dort aus wunderbar Wanderungen und  Ausflüge starten. Des Weiteren finden im Winter jährlich die Weltcups in den Sportarten Biathlon, Skisprung &Skilanglauf statt. Wer die einzigartige Atmosphäre bei einem solchen Wettkampf erleben will, muss unbedingt im März kommen.

Die Skisprungschanze am Holmenkollen

Mein persönliches Highlight war der Ausblick von der Holmenkollen Skisprungschanze. Aus 60 Metern Höhe kann man die ganze Stadt inklusive Oslo Fjord betrachten. Eine solch tolle Aussicht habe ich bis dato noch nie vorgefunden. Im Übrigen gibt es an der Sprungschanze noch das Skimuseum. Wie das Fram Polarschiffmuseum ist auch dieses sehr interessant gestaltet und man sollte unbedingt einen Blick hineinwerfen.

Tjøme: Mittelmeerfeeling im Norden

Nachdem ich die Stadt wieder hinter mir gelassen habe, führte mich mein nächster Trip nach Tjøme. Tjøme ist eine Insel und Inselkommune in der norwegischen Provinz Vestfold. Mir wurde dort ein Urlaubsfeeling wie an der spanischen Küste versprochen – vorausgesetzt das Wetter passt. Ich hatte Glück und das Wetter war besser als ich es mir in meinen schönsten Träumen ausgemalt habe, die Temperatur lag ebenfalls bei spanischen 26° Celsius. In Tjøme wohnten wir in einer kleinen Holzhütte, die man dort mieten kann. Die meisten Hütten werden privat vermietet und sind deshalb richtig liebevoll ausgestattet und haben einen gewissen Gemütlichkeitsfaktor. Direkt an einer Bucht gelegen konnten wir von dort aus fußläufig den Strand erreichen.

Von dort aus starteten wir eine Kajaktour. Die Kajaks kann man sich, genauso wie Elektroboote vor Ort ausleihen. Kajakfahren kann ich jedem nur ans Herz legen! Auch wenn es am Anfang eine recht wackelige Angelegenheit ist macht es danach, wenn man die Technik raus hat, umso mehr Spaß. Nach dieser „wilden“ Fahrt habe ich mich dann noch ein wenig an den Strand begeben und bin sogar schwimmen gegangen. Die Wassertemperaturen sind dort leider nicht so angenehm wie im Mittelmeer, aber wenn man mal reingesprungen ist kann man es schon aushalten. Natürlich kann man in Tjøme nicht nur baden, sondern auch ein vielseitiges Wander-,Rad- und Kletterangebot genießen. Es werden sogar geführte Klettertouren angeboten, die wirklich großartig sein sollen, für mich Angsthase war das aber leider nichts.

Die Südspitze der Insel Tjøme, ein beliebtes Ausflugsziel, nennt sich Verdens Ende, was im Deutschen das „Ende der Welt“ bedeutet. Verdens Ende kann man perfekt mit dem Fahrrad von Tjøme erreichen und auch ich habe eine Fahrradtour dorthin gemacht. Die Räder kann man sich im Tjøme Center oder im Scandic Havna Hotel ausleihen  und kosten für einen Tag (09:00-19:00 Uhr) inkl. Helm und Schloss ca. NOK 250,- was in etwa 26,00 € sind. Jeder weitere Tag kostet dann nur noch NOK 150,- ca. 15,65 €. Verdens Ende zählt übrigens auch zum bereits oben genannten Færder Nationalpark.

Verdens Ende in Tjome

Das Wahrzeichen von Verdens Ende.

Ein gelungener Urlaub

Zurückblickend auf die Reise kann ich sagen, dass ein Urlaub im Sommer nach Norwegen in allen Belangen empfehlenswert ist. Egal ob Kulturliebhaber, Sportjunkie, Shopaholic oder einfach nur Naturfreund, in Norwegen ist für jedem was geboten. Dazu kommen die endlos langen Tage, die der Mitternachtssonne geschuldet sind, und daher Unternehmungen bis spät nachts möglich machen. Wichtig ist es aber ein wenig Zeit mitzubringen. 14 Tage braucht ihr auf jeden Fall um einen Einblick in das Land zu bekommen. Auch Campingreisen quer durch Norwegen sind in jedem Fall anzuraten. Falls ihr das vorhabt verweisen wir hier noch auf einen weiteren Blog zum Thema Campen.

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